
»Er hat seinen Sohn dabei«, sagte die Frau. »Da drüben — ein hübscher Bursche, nicht wahr?«
Der Junge zuckte zurück und blickte starr nach vorn. Dabei wurde er so rot, als wollte er es den Bändern an seinem Ärmel gleichtun. Sein Vater unterdrückte ein Grinsen, doch es gelang ihm nicht recht.
»… die beiden sind unterwegs nach Cardegoss, wo der Junge ein Ritter des Sohnes werden soll. Wie früher sein Vater, möchte ich wetten. Der Großmeister des Ordens selbst, Prinzgemahl Bergon, wird die Zeremonie leiten. Den würde ich auch zu gern einmal sehen. Ein stattlicher Bursche, heißt es. Er kommt von der ibranischen Küste; da soll ja so mancher gut aussehende Mann heranwachsen. Na, vielleicht gönne ich meinen alten Augen diese Wohltat noch und lass mir einen Grund einfallen, meine Pilgerfahrt nach Cardegoss zu verlängern.«
»Was Ihr nicht sagt«, meinte Ista zu dieser schmeichelhaften, insgesamt aber zutreffenden Beschreibung ihres Schwiegersohnes.
»Ich bin Caria aus Palma. Dort war ich mit einem Sattler verheiratet, bis vor kurzem. Jetzt bin ich Witwe. Und was ist mit Euch, edle Dame? Ist der mürrische Bursche dort drüben Euer Ehemann?«
Der Majordomus verfolgte die Vertraulichkeiten mit größtem Missfallen. Nun zügelte er sein Pferd, um die lästige Person abzuwehren. Ista aber hob die Hand. »Nur die Ruhe, dy Ferrej.« Er runzelte die Stirn, zuckte dann aber die Schultern und schwieg.
Ista wandte sich an die Pilgerin: »Ich bin eine Witwe … aus Valenda.«
»Ach ja? Nun, das bin ich auch«, entgegnete die Frau munter. »Mein erster Mann kam aus Valenda. Obwohl ich drei Ehemänner verloren habe.« Sie sagte es so, als wäre es eine besondere Leistung. »Natürlich nicht alle auf einmal. Einen nach dem anderen.« Neugierig musterte sie Istas Kleider in den Farben der Hoftrauer. »Ist Euer Ehemann gerade erst verstorben, Herrin? Mein Beileid. Kein Wunder, dass Ihr so blass und traurig ausschaut. Das ist schon eine schwere Zeit. Vor allem beim ersten Mal. Zuerst möchte man am liebsten sterben — jedenfalls ist es mir so ergangen. Aber das ist nur die Angst vor der Zukunft. Irgendwann kommt alles wieder ins Lot, glaubt mir.«
