Die Pilger waren offenbar schon mehrere Tage in Begleitung der redseligen Caria unterwegs, und einige rollten viel sagend mit den Augen, als die Witwe nun unablässig weiterplapperte. Nur ein korpulenter junger Mann ließ sich nicht davon beeindrucken. Er trug die weißen Gewänder eines Geistlichen des Bastards und ritt schweigend nebenher, wobei er ein aufgeschlagenes Buch auf dem wohlgerundeten Bauch balancierte. Er ließ die Zügel seines schmutzig-weißen Maultiers durchhängen, und nur wenn er zum Ende einer Seite kam, blickte er beim Umblättern kurz auf, blinzelte kurzsichtig und lächelte zerstreut.

Caria spähte zur Sonne empor, die inzwischen hoch am Himmel stand. »Ich kann es kaum erwarten, bis wir endlich in Valenda sind. Es gibt dort ein berühmtes Gasthaus, in dem es köstliche Spanferkel gibt.« Voll Vorfreude schmatzte sie mit den Lippen.

»Ja, ein solches Gasthaus gibt es dort«, sagte Ista. In all den Jahren, die sie in Valenda gelebt hatte, war sie niemals dort eingekehrt, wurde ihr bewusst.

Die Revisorin — bis dahin eine der gequältesten unter den unfreiwilligen Zuhörern der Witwe —, schürzte missbilligend die Lippen. »Ich werde kein Fleisch essen«, kündigte sie an. »Ich habe einen Eid geleistet, dass mir während dieser Reise weder Fleisch noch Fett über die Lippen kommen wird.«

Caria beugte sich näher an Ista heran und flüsterte ihr zu: »Hätte sie einen Eid geleistet, statt ihrer Salate ihren Hochmut herunterzuschlucken, hätte sie nach dem Zweck einer Pilgerfahrt eher entsprochen.« Sie richtete sich wieder auf und grinste. Die Revisorin rümpfte die Nase und gab vor, nichts gehört zu haben.

»Ich bin sicher, mit sinnlosem Geschwätz können die Götter nichts anfangen«, bemerkte der Kaufmann mit den grauschwarzen Bändern des Vaters am Ärmel. Er blickte ins Leere, als würde er niemand Bestimmten ansprechen. »Wir sollten unserer Zeit mit Nützlicherem verbringen. Wir könnten über moralisch bedeutsame Themen reden und unseren Geist auf Gebete einstimmen, statt unseren Bauch aufs Mittagessen.«



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