Ista biss die Zähne zusammen und unterdrückte die Flüche, die ihr zu Iselle, Bergon oder Cazaril auf der Zunge lagen. Obwohl sie eigentlich lieber auf den alten dy Ferrej geflucht hätte, wie er sich gern bezeichnete, was aber nichts weiter war als Sprücheklopferei, denn der Mann war kaum zehn Jahre älter als sie. Doch sie fühlte sich so eingeengt, dass ihr fast die Luft wegblieb. In ihren Bemühungen, sie vor dem alten Wahnsinn zu schützen, würden ihre Beschützer sie bald erneut in den Wahnsinn treiben!

Hinter der Ecke des Bergfrieds erklang klappernder Hufschlag, begleitet von den Stimmen und Rufen der Pferdeknechte. Ista stand rasch auf und folgte dy Ferrej. Ihre Zofe legte die Stickerei beiseite, erhob sich ebenfalls eilig und tippelte hinterdrein, wobei sie leise vor sich hin schimpfte, vermutlich aus bloßer Gewohnheit.

Zwei Ritter vom Orden der Tochter schwangen sich auf dem gepflasterten Vorhof soeben von den Pferden. Dy Ferrej betrachtete sie erfreut und wohlwollend. Es waren gewiss keine Angehörigen des Tempels hier in Valenda — ihre Kleidung und Ausrüstung war in bestem Zustand, und nichts an ihnen wirkte hausbacken oder bäuerlich. Ihre Gewänder zeigten die Handschrift der Schneider von Cardegoss, angefangen von den blank polierten Stiefeln über die ordentlichen blauen Hosen und Untergewänder, die sorgsam bestickten, ärmellosen Überwürfe aus weißer Wolle bis hin zu den grauen Kapuzenmänteln, die in ihrem Orden üblich waren. Ihre Waffen und deren Hüllen waren sauber und sahen überaus gepflegt aus — wenn auch nicht neu. Alle blanken Teile waren poliert, die Lederflächen eingefettet. Einer der Ritter war etwas mehr als mittelgroß, schlank und drahtig. Der andere wirkte muskulös, und an seinem Bandelier hing ein schweres Breitschwert, das ganz gewiss kein höfisches Spielzeug war.

Nachdem dy Ferrej die beiden begrüßt und den Dienstboten ihre Aufgaben zugewiesen hatte, trat Ista an seine Seite. Sie kniff die Augen zusammen. »Kennen wir uns, meine Herren?«



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