Ista nahm das Papier verdutzt entgegen und bedankte sich. Dy Ferrej reckte den Hals, als sie den Brief an Ort und Stelle öffnete, sodass das Wachs zerbröckelte und auf die Pflastersteine rieselte. Ista drehte sich ein wenig von ihm weg und las.

Das Schreiben war kurz und in säuberlicher Kanzleischrift verfasst; sie wurde mit vollem Rang und sämtlichen Titeln angesprochen, sodass die Inscriptio länger war als der eigentliche Text. Dieser lautete:

Ich schicke Euch diese beiden tüchtigen Brüder, Ferda und Foix dy Gura. Sie sollen Euch auf Eurem Weg als Hauptleute und Gefährten begleiten, wohin Ihr Euch auch wendet. Ich gehe davon aus, dass sie Euch ebenso treu zur Seite stehen werden wie mir. Mögen alle fünf Götter Eure Reise segnen. Euer demütiger und gehorsamer … Darauf folgte ein Halbkreis, der in einem kurzen Gekritzel auslief: dy Cazarils Unterschrift.

In derselben krakeligen Handschrift — dy Cazarils Hände waren eher stark als geschickt, erinnerte sich Ista — folgte ein Postskriptum: Iselle und Bergon übersenden Euch noch eine Reisebörse, im Gedenken an die Juwelen, die für eine andere Fahrt versetzt wurden und die letztendlich ein ganzes Reich erkauft haben. Ich habe sie Foix anvertraut. Lasst Euch von seiner Gemütsart nicht irritieren, er ist weit weniger einfältig, als er aussieht.

Ein Lächeln legte sich auf Istas Lippen. »Ich würde sagen, das ist ziemlich offensichtlich.«

Sie reichte den Brief an den ungeduldigen dy Ferrej weiter. Er überflog die Zeilen, wobei sein Gesicht immer länger wurde, doch er war zu beherrscht, seinem Missfallen laut Ausdruck zu verleihen — ohne Zweifel ein Ergebnis der guten Erziehung durch die alte Herzogin.

Dy Ferrej hob den Kopf und schaute die Brüder an. »Aber die Königin kann nicht allein mit zwei Reitern als Bedeckung auf Reisen gehen, wie tüchtig diese Reiter auch sein mögen.«

»Gewiss nicht, Herr.« Ferda verbeugte sich knapp vor ihm. »Wir haben unsere ganze Schar mitgebracht. Ich habe sie unten in der Stadt zurückgelassen, damit sie dem Tempel zur Last fallen und nicht Euch. Zwei Männer habe ich allerdings für eine andere Aufgabe abgestellt. Sie sollten morgen zurückkehren; dann sind wir wieder vollzählig.«



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