Für sie war die Pilgerfahrt eine Flucht. Doch wenn er es einrichtete, würde sie mit einer regelrechten Armee im Schlepp durch die Landschaft reisen. »Eine solche Verzögerung kann ich nicht hinnehmen. Das Wetter und der Zustand der Straßen haben sich in den letzten Tagen sehr gebessert«, warf sie verzweifelt ein. »Ich würde das klare Wetter gern ausnutzten.«

»Nun, darüber können wir später noch reden«, sagte dy Ferrej und blickte zum wolkenlos blauen Himmel, als würde er ihr dieses Argument zugestehen — unbedeutend, wie es war. »Ich werde mit Euren Damen sprechen und einen Brief an Euren Bruder aufsetzen.« Nachdenklich blickte er vor sich hin. »Iselle und Bergon haben sich gewiss etwas dabei gedacht, als sie Euch diese Börse übersandten. Vielleicht wünschen sie, dass Ihr die Götter um einen Enkel bittet, Majestät? Das wäre ein großer Segen für das Königreich Chalion, und ein geziemendes Anliegen für Eure Pilgerfahrt.« Dieser Einfall entzückte ihn offensichtlich mehr als Ista; immerhin war er selbst erst vor kurzem Großvater eines Enkels geworden. Aber weil er zum ersten Mal ihr gewagtes Unternehmen anerkannte, wollte sie ihm jetzt nicht widersprechen.

Die Brüder dy Gura und ihre Pferde wurden der Gastlichkeit der Burg und ihrer Ställe zugeführt, und dy Ferrej machte sich eilig an die Umsetzung seiner selbst auferlegten Aufgaben. Istas Zofe plapperte sogleich von den Schwierigkeiten, welche die Auswahl der Kleidung für eine solch mühsame Reise mit sich brachte. Es hörte sich an, als hätte Ista eine Fahrt über die Berge nach Darthaca im Sinn, oder noch weiter, und nicht nur einen frommen Spaziergang quer durch Baocia. Ista zog in Erwägung, Kopfschmerz vorzutäuschen und sie so zum Schweigen zu bringen. Das aber konnte ihren Reiseplänen eher schaden, und so biss sie die Zähne zusammen und ließ das Geschwätz über sich ergehen.


Am späten Nachmittag schnatterte die Frau noch immer und verbreitete unablässig neue Sorgen.



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