Drei Dienstmädchen im Gefolge, huschte sie durch Istas Gemächer im alten Bergfried, stellte Dutzende Kleider und festliche Gewänder zusammen, Mäntel und Schuhe, sortierte alles wieder um und wog die Bedürfnisse von Istas Trauerzeit, die selbstverständlich passende Farben vorschrieb, gegen die Erfordernisse jeglicher möglicher oder unmöglicher Eventualität ab. Ista saß auf einem Platz vor dem Fenster, mit Blick auf den Vorhof, und ließ den Wortschwall an sich vorüberplätschern wie das Wasser aus einer Traufe. Allmählich bekam sie wirklich Kopfschmerzen.

Geräusche und geschäftiges Treiben vom Tor her kündigten einen weiteren Besucher außer der Reihe an. Ista beugte sich vor und schaute durch die Fensterflügel. Ein großes, kastanienbraunes Pferd kam mit klappernden Hufen durch den Torbogen. Über seiner abgenutzten Kleidung trug der Reiter einen Wappenrock, auf dem eine Burg und ein Leopard zu sehen waren — das Emblem der Kanzlei von Chalion. Der Reiter schwang sich vom Pferd und wippte auf seinen — nein, ihren Zehen: Die Botin war eine junge Frau mit langem, schwarzem Haar, das zum Zopf geflochten über ihren Rücken hing. Sie zog ein Bündel hinter dem Sattel hervor und rollte es mit einem Schnappen auseinander. Ein Rock kam zum Vorschein. Wenig sittsam schlug sie ihren Überwurf hoch und wickelte das Kleidungsstück über der Hose um ihre schlanke Taille. Mit einem übermütigen Hüftschwung schüttelte sie den Saum bis auf Knöchelhöhe über die Stiefel.

Dy Ferrej kam heraus. Das Mädchen öffnete die Kanzleitasche und drehte sie um, sodass ein einzelner Brief herausfiel. Dy Ferrej las die Anschrift und riss das Schreiben an Ort und Stelle auf. Ista schloss daraus, dass es sich um ein persönliches Schreiben seiner geliebten Tochter handelte, Lady Betriz, einer Zofe am Hof der Königin Iselle. Seine Miene entspannte sich. Vielleicht waren es Neuigkeiten von seinem Enkel. Bekam er schon die ersten Zähne? Nun, Ista würde bald davon hören. Sie konnte ein kleines Lächeln nicht unterdrücken.



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