»Lach ruhig«, sagte Ista zur ihr. »In diesem Haus habe ich seit Wochen kein Lachen mehr gehört. Seit Monaten.« Seit Jahren.

Wie mochte ihre Pilgerfahrt verlaufen, wenn sie nicht eine Schar selbst ernannter Wachhunde hinter sich herschleppen musste, missmutig und zu alt für den Ritt über beschwerliche Straßen? Wenn sie stattdessen mit Menschen reisen konnte, die lachten und scherzten? Mit jungen Menschen, die nicht von Verlust und Schuld bedrückt wurden? Und wenn sie es wagen durfte, daran zu denken: mit Menschen, für die sie selbst die geachtete Älteste war und nicht das missratene Kind, das zurechtgewiesen werden musste. Wie Ihr befehlt, Majestät, und nicht: Ich bitte Euch, Lady Ista, Ihr könnt doch nicht …

»Dy Cabon«, sagte sie unvermittelt. »Ich möchte dem Tempel danken, dass er an mich gedacht hat, und ich würde mich freuen, wenn Ihr mir auf der Reise als geistlicher Beistand zur Seite steht.«

»Ich fühle mich geehrt, Majestät.« Dy Cabon verbeugte sich im Sitzen so tief, wie sein Bauch es zuließ. »Wann brechen wir auf?«

»Morgen«, kündigte Ista an.

Rund um den Tisch erhoben sich die Stimmen im Chor. Einwände wurden vorgebracht; Personen wurden aufgezählt, die nicht anwesend waren — Kammerfräulein, deren Zofen und Pferdeknechte; fehlende Garderobe, Ausrüstung, Reit- und Packtiere kamen zur Sprache sowie die bewaffnete Begleitung, die der Herzog von Baocia zur Verfügung stellen sollte, die aber noch nicht eingetroffen waren.

»Ihr habt ja alle Recht!« Ista erhob die Stimme, um das Geplapper zu übertönen, und tatsächlich setzte wohltuende Stille ein. »Ich bin nicht mehr die Jüngste«, fuhr sie fort, »nicht die Kräftigste und nicht die Tapferste, und ich weiß auch nichts über die Unbilden einer solchen Reise. Also werde ich dafür sorgen, dass mir all diese Eigenschaften zu Gebote stehen: Ich werde Liss mitnehmen, die Botin der Kanzlei, als Zofe und Reitknecht zugleich. Kein weiteres persönliches Gefolge. Das spart uns schon mal drei Dutzend Maultiere.«



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