
Liss hätte beinahe den Bissen wieder ausgespuckt, auf dem sie gerade kaute.
»Aber sie ist nur eine Botin!«, stieß Lady dy Hueltar hervor.
»Ich kann Euch versichern, Kanzler dy Cazaril wird sie mir nicht missgönnen. Ein Kurier muss stets bereit sein, dorthin zu reiten, wohin man ihn befiehlt. Was sagst du dazu, Liss?«
Liss starrte sie aus weit aufgerissenen Augen an, schaffte es endlich, zu schlucken, und brachte hervor: »Ich … ich tauge mehr zum Reitknecht denn als Zofe, Majestät, aber ich werde mein Bestes versuchen.«
»Gut. Mehr kann niemand verlangen.«
»Ihr seid die Witwe des Königs von Chalion!« Dy Ferrej jammerte beinahe. »Ihr könnt doch nicht ganz ohne Förmlichkeiten durchs Land reisen!«
»Ich wollte in aller Demut eine Pilgerfahrt machen, dy Ferrej, keinen Triumphzug veranstalten. Andererseits … wenn ich nun keine Königin wäre? Nehmen wir einmal an, ich wäre eine gewöhnliche Witwe aus gutem Hause. Was würde ich an Bediensteten mitnehmen? Welche Vorsichtsmaßnahmen wären sinnvoll?«
»Ihr wollt also unerkannt reisen?« Dy Cabon wusste sofort, worauf sie hinauswollte, während die anderen weiterhin Einwände vorbrachten und gar nicht merkten, dass ihre Worte ins Leere liefen. »Das würde Euch gewiss einige Ablenkung ersparen, und Ihr könntet Euch leichter auf das spirituelle Anliegen Eurer Reise konzentrieren, Majestät. Ich nehme an … eine solche Dame würde einfach nur die Kirche um die übliche Eskorte bitten, und die Kirche würde der Bitte nachkommen, mit den Berittenen, die gerade verfügbar sind.«
»Gut. Dafür ist bereits gesorgt. Ferda, können Eure Leute morgen aufbrechen?«
Dy Guras schlichte Antwort beendete das lautstarke Wirrwarr der Einwände. »Gewiss, Majestät«, sagte er. »Wie Ihr befehlt.«
Erschrockenes Schweigen setzte ein. Erstaunen und Nachdenklichkeit spiegelten sich auf einigen Gesichtern.
