Wenige Minuten später kehrte Ferda mit großen Schritten zurück, sorgsam gefaltete Papiere in beiden Händen. »Hier habe ich eine Karte von Baocia, und von den Herzogtümern im Westen bis hin nach Ibra.« Er breitete eine fleckige, abgegriffene Karte auf dem Tisch zwischen Ista und dem Geistlichen aus. Dy Ferrej blickte skeptisch über dy Cabons Schulter.

Der Geistliche musterte die Karte einige Minuten lang mit gerunzelter Stirn; dann räusperte er sich und sah zu Ista hinüber. »Wie man uns beigebracht hat, soll der Reiseweg einer Pilgerfahrt deren spirituellem Anliegen dienlich sein. Letzteres mag einfach und direkt sein oder vielfältig und verschlungen, doch es umfasst zumindest eines der folgenden fünf Ziele: Dienst, Bitte, Dankbarkeit, Erkenntnis und Buße.«

Buße. Die Götter um Verzeihung bitten. Dy Lutez, dachte Ista unwillkürlich. Die eisige Erinnerung an diese finstere Stunde verdunkelte noch immer ihr Herz, selbst an diesem hellen Abend. Und doch, wer schuldete wem eine Entschuldigung für diese Katastrophe? Wir alle waren daran beteiligt — die Götter, dy Lutez, Ias und ich.

Wenn diese alte Verletzung sich heilen ließ, indem man sich vor dem Altar der Götter erniedrigte, hatte sie es bereits zur Genüge getan — ausreichend für ein Dutzend dy Lutez. Und doch blutete diese Narbe noch, tief im Innern, wenn man daran rührte.

»Ich habe mal erlebt, wie ein Mann um Maultiere gebetet hat«, warf Foix freundlich ein.

Dy Cabon blinzelte. Dann fragte er: »Hat er welche bekommen?«

»Ja, ganz hervorragende Tiere.«

»Die Wege der Götter sind manchmal unergründlich«, murmelte dy Cabon, der diese Geschichte offensichtlich erst einmal verdauen musste. »Nun … Eure Pilgerfahrt, Majestät, dient der Bitte. Der Bitte einen Enkel, soweit ich verstanden habe. Ist es nicht so?« Er legte eine einladende Pause ein.

Ist es nicht. Doch sowohl dy Ferrej wie auch Lady dy Hueltar äußerten ihre Zustimmung, und Ista berichtigte sie nicht.



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