
Dy Cabon fuhr mit dem Finger über die fein gezeichnete Karte. Sie war dicht beschriftet mit Ortsnamen, durchzogen von kleinen Flüssen und mit mehr Bäumen verziert, als auf der Hochebene von Baocia tatsächlich zu finden waren. Dy Cabon wies auf den einen oder anderen Schrein hin, welcher der Mutter oder dem Vater geweiht war und im Umkreis von Valenda lag, und beschrieb die Vorzüge eines jeden. Ista zwang sich, weiterhin auf die Karte zu blicken.
Tief im Süden, außerhalb des Randes der Karte, lagen Cardegoss und der Palast und die Festung des Zangre, voller schlimmer Erinnerungen. Nein. Im Osten lag Taryoon. Auch nicht. Also nach Westen und Norden. Ista ließ die Fingerspitze über die Karte gleiten, bis sie zu den »Zähnen des Bastards« gelangte, eine Bergkette, welche die lange Grenze zu Ibra markierte — jenem Königreich, das erst vor so kurzer Zeit im Ehebett ihrer Tochter mit Chalion vereinigt worden war. Nordwärts, entlang der Ausläufer der Berge, auf irgendeiner leicht zugänglichen Straße. »Dort entlang.«
Dy Cabon kniff die Brauen zusammen und blickte blinzelnd auf die Karte. »Ich weiß nicht genau, was …«
»Ungefähr einen Tagesritt westlich von Palma liegt eine Stadt, wo der Orden der Tochter eine bescheidene Herberge unterhält, recht gemütlich«, merkte Ferda an. »Wir haben schon einmal dort übernachtet.«
Dy Cabon leckte sich die Lippen. »Hm. Ich kenne ein Gasthaus nahe Palma, das wir noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen können, wenn wir nicht trödeln. Es hat eine hervorragende Küche. Außerdem gibt es dort eine heilige Quelle, sehr alt. Eine Stätte von minderer Bedeutung, doch wenn Sera Ista dy Ajelo eine Pilgerfahrt in aller Demut unternehmen möchte, ist ein bescheidener Anfang vielleicht das Beste für ihre Zwecke. Und die bedeutenden Heiligtümer sind um diese Jahreszeit für gewöhnlich überfüllt.«
»In diesem Fall sollten wir die Menschenmassen meiden, uns in Demut üben und unsere Gebete an dieser Quelle sprechen. Oder bei den Erzeugnissen dieser Küche, falls es sich so ergibt.« Istas Lippen bebten.
