
»Ich nehme nicht an, dass wir unsere Gebete mit der Goldwaage abwägen müssen wie irgendeine zweifelhafte Münze«, entgegnete dy Cabon vergnügt, von ihrem flüchtigen Lächeln ermuntert. »Wir können ruhig beides tun und Fülle mit Fülle vergelten.« Der Geistliche ließ Zeige- und Mittelfinger wie Beine von Valenda nach Palma über die Karte wandern und weiter zu dem Ort, auf den Ferda gezeigt hatte. Er zögerte und drehte seine Hand ein weiteres Mal in eine andere Richtung. »Und wenn wir früh genug aufstehen, erreichen wir von dort nach einem weiteren Tagesritt Casilchas. Ein verschlafenes kleines Nest, doch meine Kirche unterhält dort eine Akademie. Einige meiner früheren Lehrer arbeiten immer noch dort. Die Akademie verfügt über eine ausgezeichnete Bibliothek, zumindest für eine Einrichtung dieser Größe. Viele Geistliche, die dort unterrichtet haben, hinterließen nach ihrem Tod ihre Bücher. Bedenkt man an den Zweck unserer Pilgerfahrt, ist ein Priesterseminar des Bastards sicher kein Ort, an den man Station machen würde. Aber ich muss gestehen, dass ich diese Bibliothek gern zurate ziehen würde.«
Ista fragte sich, ob dieses Seminar auch über einen guten Koch verfügte. Sie stützte das Kinn auf die Hand und musterte den beleibten jungen Mann, der ihr gegenübersaß. Wie war man im Tempel zu Valenda bloß auf die Idee gekommen, ihn zu ihr zu schicken? Seine halbwegs adlige Abkunft? Wohl kaum. Aber erfahrene Pilgerführer hatten gewiss schon sämtliche spirituellen Schlachtpläne ihrer Zöglinge im Voraus ausgearbeitet. Ohne Zweifel gab es sogar Bücher mit erbaulichen Belehrungen zu diesem Thema. Das war es vielleicht, was dy Cabon sich von der Bibliothek erhoffte: eine genaue Anleitung, die ihm verriet, wie er die weitere Reise gestalten sollte. Vielleicht hatte er zu viele geistliche Lehrstunden damals in Casilchas verschlafen.
