
»Zwei Fronten gleichzeitig zu eröffnen wäre unklug, und Brajar ist ein unsicherer Verbündeter. Jokonas neuer Fürst ist jung und noch unerprobt. Zuerst sollten wir Jokona zwischen Chalion und Ibra in die Zange nehmen — und abzwacken. Dann wenden wir uns nach Nordosten.« Foix kniff die Augen zusammen, und sein wohlgeformter Mund nahm einen verbissenen Ausdruck an, während er über diese Strategie nachdachte.
»Werdet Ihr Euch dem Feldzug im Herbst anschließen, Foix?«, erkundigte Ista sich höflich.
Er nickte. »Wohin der Marschall dy Palliar zieht, dahin folgen die Brüder dy Gura. Als Rittmeister wird Ferda wahrscheinlich schon im Hochsommer anfangen müssen, Pferde für die Reiterei zu sammeln. Und damit ich ihn nicht vermisse und mich in Sehnsucht verzehre, wird er auch für mich irgendeine unangenehme, schmutzige Aufgabe dabei finden.«
Ferda kicherte, und Foix lächelte ihm freundschaftlich zu, offensichtlich ohne Groll.
Ista fand an Foix’ Einschätzung der Lage nichts auszusetzen. Sie konnte sich auch gut vorstellen, wie er dazu gekommen war. Weder Marschall dy Palliar noch Prinz Bergon noch Königin Iselle waren Dummköpfe, und Kanzler dy Cazaril war ein Mann mit scharfem Verstand. Und er hatte nicht viel übrig für die Seeherren der Roknari, die ihn einst in die Sklaverei auf die Galeeren verkauft hatten. Visping war eine Beute, die das Spiel wert war.
»Wir sollten uns jedenfalls westlich halten und all den Unruhen aus dem Weg gehen«, schloss sie. Dy Ferrej nickte zustimmend.
»Ausgezeichnet, Majestät«, sagte dy Cabon, faltete Ferdas Karten zusammen und gab sie zurück, wobei er einen leisen, wehmütigen Seufzer ausstieß. Beneidete er seinen Vater um den heldenhaften Tod in der Schlacht, oder fürchtete er ein ähnliches Schicksal? Ista konnte es nicht sagen.
