
Die Stallknechte hielten das Pferd der Königin und geleiteten sie zur Trittbank, während Liss leichtfüßig auf ihre langbeinige Fuchsstute sprang, ohne eine solche Hilfe in Anspruch zu nehmen. In ihrer Jugend war Ista viel geritten. Sie hatte den ganzen Tag auf der Jagd zugebracht und Abends getanzt, bis der Mond wieder unterging, damals, als das prachtvolle Leben bei Hofe neu für sie gewesen war. Auch sie hatte sich dem Leben in Bequemlichkeit — in dieser Burg, die übersättigt war von Alter und schmerzlicher Erinnerung — schon viel zu lange hingegeben. Ein wenig maßvolle Betätigung war genau, was sie brauchte, um wieder in Form zu kommen.
Dy Cabon stieg von seinem Maultier, um von der Trittbank aus ein kurzes Gebet zu sprechen und das anstehende Unternehmen zu segnen. Ista senkte den Kopf, bewegte aber nicht die Lippen bei den Antworten. Es gibt nichts, was ich von den Göttern will. Ich kenne ihre Gaben.
Vierzehn Personen und achtzehn Reittiere waren nötig, damit Ista auf Reisen gehen konnte. Dabei gab es Pilger, die kamen mit einem Wanderstab und einem kleinen Bündel aus …
Lady dy Hueltar und Istas Zofen und Kammerfräulein versammelten sich auf dem Hof — nicht etwa, um Ista eine gute Reise zu wünschen, wie sich herausstellte, sondern um bewusst in ihrer Gegenwart in Tränen auszubrechen und sie anzuflehen, ihren Entschluss noch einmal zu überdenken. Natürlich erreichten sie damit das genaue Gegenteil. Das Offensichtliche verleugnend, klagte Lady dy Hueltar: »Oh, das will sie doch nicht wirklich tun! Haltet sie auf, um der Mutter willen, dy Ferrej!« Ista biss die Zähne zusammen und ließ das Gejammer von ihren Rücken abprallen wie Pfeile von einem Kettenhemd. In gemächlichem Trott geleitete dy Cabon sie auf seinem weißen Maultier durch den Torbogen und die Straße hinunter, bis die Stimmen schließlich hinter ihr verklangen. Ein sanfter Frühlingswind spielte durch Istas Haar. Sie blickte nicht zurück.
