Sie sah, wie die Zofe ihre hochwohlgeborene Schutzbefohlene besorgt und misstrauisch musterte. Ista erwiderte die Blicke kalt. Schließlich machte die Zofe einen Knicks. »Sofort, Herrin. Ich werde einem der Mädchen Bescheid geben. Ich bin gleich wieder zurück.«

Davon gehe ich aus. Ista wartete gerade so lange, bis die Zofe um die Ecke des Bergfrieds verschwand. Dann hielt sie rasch auf die Seitenpforte zu.

Dort ließ die Wache soeben den Dienstboten und seinen Esel ein. Hoch erhobenen Hauptes schritt Ista an ihnen vorbei, ohne sich noch einmal umzublicken. Hinter ihr ließ der Posten ein unsicheres »Majestät …?« vernehmen, doch Ista gab vor, nichts zu hören, und marschierte forsch den immer steileren Pfad hinab. Im Vorübergehen verfingen sich Gestrüpp und Sträucher im nachschleifenden Saum ihrer Röcke und in ihrer bauschenden, schwarzsamtenen Marlotte. Sie griffen nach ihr wie Hände, die sie zurückzuhalten wollten. Als sie unter den ersten Bäumen außer Sicht war, schritt Ista schneller aus, bis sie fast rannte. Als kleines Mädchen war sie auf diesem Weg häufiger hinunter zum Fluss gelaufen. Bevor sie irgendjemandes irgendetwas wurde.

Als sie schließlich Wasser zwischen dem Bewuchs hindurchschimmern sah, war sie erschöpft und zitterte. Sie bog ab und wanderte am Ufer entlang. Der Weg verlief immer noch so, wie sie es in Erinnerung hatte, und führte zu dem alten Steg, über den Fluss hinweg und dann wieder aufwärts bis zu einer der Hauptstraßen, die sich um den Hügel herum nach Valenda wanden — oder fort von der Stadt.

Die Straße war schlammig und von Hufspuren zernarbt; vielleicht war eben erst die Reisegruppe ihres Bruders hier durchgekommen, auf dem Weg zur Residenz in Taryoon. Während der beiden vorangegangenen Wochen hatte der Herzog beinahe unablässig versucht, Ista zur Mitreise zu bewegen. Er hatte ihr Zimmer und Zofen in seinem Palast versprochen, unter seiner wohl wollenden und fürsorglichen Aufsicht — als hätte sie hier nicht Zimmer und Zofen und aufdringliche Aufmerksamkeit genug. Sie wandte sich in die entgegengesetzte Richtung.



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