Trauerkleider und seidene Pantoffeln waren nicht die geeignete Garderobe für die Landstraße. Die Röcke rauschten um ihre Beine, als ging sie durch tiefes Wasser, und Schlamm saugte sich am leichten Schuhwerk fest. Die Sonne stieg immer höher, und die Wärme staute sich im dicken Samt auf Istas Rücken, bis sie schließlich ganz undamenhaft schwitzte. Sie fühlte sich immer unwohler, kam sich immer närrischer vor. Was für eine Verrücktheit! Genau das richtige Verhalten, um in einem Turm eingesperrt zu werden, in der Gesellschaft geistloser Zofen. Hatte sie davon nicht für ihr Lebtag genug gehabt? Sie besaß keine Kleidung zum Wechseln, keine Pläne und kein Geld, nicht einmal einen Kupfer-Vaida. Sie tastete nach den Edelsteinen an ihrer Halskette. Das war Geld. Ja, und viel zu viel. Wie sollte sie in einer Kleinstadt einen Geldwechsler finden, der einen solchen Wert in Münzen auszahlen könnte? Diese Edelsteine waren keine Reisekasse; sie waren eher eine lockende Beute für Straßenräuber.

Sie hörte, wie ein Karren sich näherte und blickte von den Pfützen zu ihren Füßen auf, zwischen denen sie sich ihren Weg suchte. Ein Bauer lenkte einen stämmigen Ackergaul und fuhr eine Ladung gut abgelagerten Dung zu seinen Feldern. Jetzt starrte er verblüfft auf die Erscheinung, die ihm hier auf der Straße entgegenkam. Ista erwiderte seinen Blick mit einem majestätischen Kopfnicken — was sonst blieb ihr übrig? Fast hätte sie laut aufgelacht, unterdrückte jedoch die unziemliche Lautäußerung und ging weiter. Sie blickte nicht zurück. Sie wagte es nicht.

Noch mehr als eine Stunde lang wanderte sie weiter und zerrte die ganze Zeit die Schleppe ihrer schweren Kleider hinter sich her, bis ihre Beine schließlich zu geschwächt waren und sie zittrig stehen blieb. Sie hätte weinen können vor Enttäuschung. Es geht einfach nicht. Ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll. Ich habe es nie gelernt, und jetzt bin ich zu alt dafür.



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