Wieder hörte sie Hufschlag, galoppierende Pferde und einen Ruf. Blitzartig kam Ista zu Bewusstsein, dass ihr nicht nur jegliche Ausstattung für die Reise fehlte, sondern auch eine Waffe zur Verteidigung. Sie besaß nicht einmal ein Messer. Doch als sie daran dachte, sich gegen einen Angreifer zur Wehr zu setzen, egal mit welcher Waffe, schnaubte sie verächtlich. Es wäre ein kurzer Auftritt, nicht wert, auch nur einen Gedanken an daran zu verschwenden.

Sie blickte über die Schulter zurück und seufzte erleichtert. Ser dy Ferrej und ein Reitknecht eilten mit hämmernden Hufen hinter ihr die Straße entlang, dass der Schlamm nach allen Seiten spritzte. Immerhin, dachte sie, war sie noch nicht dumm oder verrückt genug, sich zu wünschen, es wären Räuber gewesen. Genau da lag möglicherweise das Problem. Vielleicht war sie nicht verrückt genug, um ihre nicht minder verrückten Wünsche in die Tat umsetzen zu können … eine nutzlose Art von Irrsinns.

Dy Ferrej lenkte sein Pferd an ihre Seite. Als Ista sein gerötetes, verschwitztes und erschrockenes Gesicht sah, regte sich ihr schlechtes Gewissen. »Majestät!«, klagte er. »Was tut Ihr hier draußen?« Fast wäre er aus dem Sattel gefallen, so eifrig griff er nach ihren Händen und beugte sich zu ihr hinunter.

»Ich hatte die Enge der Burg satt und wollte einen Spaziergang im Freien machen, um in der Frühlingssonne ein wenig Trost zu finden.«

»Ihr seid fast fünf Meilen gelaufen, Majestät! Diese Straße ist nicht der rechte Ort für Euren Spaziergang …«

Allerdings. Und ich bin nicht der rechte Wanderer für diese Straße.

»Ohne Zofen, ohne Begleiter — bei allen fünf Göttern, denkt an Euren Rang und Eure Sicherheit! Und an meine grauen Haare! Ich hätte sie mir ausraufen können vor Sorge.«



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