
An der Spitze seines Ensembles trat er vor den Vorhang, um im Applaus zu baden, der von den Innenhofwänden des Queen's Head widerhallte. Plangemäß sollten Westfield's Men in der kommenden Woche wieder eine Vorstellung im Queen's Head geben, doch niemand glaubte wirklich daran, daß es zu dieser Aufführung kommen würde. Die Pest drang immer weiter vor. Die Zuschauer, die eine lange Zeit ohne das Vergnügen des Theaters vor sich hatten, zeigten den Schauspielern, die aus der Stadt vertrieben werden würden, ihre Anteilnahme. Es war eine fröhliche, aber auch wehmütige Angelegenheit.
Lawrence Firethorn vergoß echte Tränen und hielt eine Abschiedsrede. Barnaby Gill schniefte, Edmund Hoode mußte hart schlucken, und der Rest der Gruppe war von Herzen gerührt. Nicholas Bracewell ließ sich von dieser Gefühlswoge nicht davontragen. Seine Aufmerksamkeit galt Gabriel Hawkes, der eigenartig distanziert wirkte. Ein Mann, der das Theater intensiv und ausdauernd liebte, sah jetzt drein, als befremde ihn das alles.
Als sie die Bühne verließen, nahm Nicholas ihn beiseite.
»Was bedrückt Euch, junger Mann?«
»Nichts, Master Bracewell.«
»Seid Ihr ganz in Ordnung?«
»Ich spüre, daß ich krank werde, aber es ist nichts Ernsthaftes.«
»Welche Art von Krankheit?«
»Macht Euch um mich keine Sorgen.«
»Sollen wir Euch zu einem Arzt tragen?«
»Es hat nichts zu bedeuten, sage ich Euch.«
»Paßt gut auf Euch auf, Gabriel.«
Der junge Schauspieler lächelte schwach und berührte seinen Arm.
»Vielen Dank, Master Bracewell.«
»Wofür?«
»Ihr seid mir immer ein guter Freund gewesen.«
Seine Stimme hatte solch einen endgültigen Unterton, daß Nicholas entsetzt war. Während Gabriel Hawkes auf unsicheren Beinen davonging, um sein Kostüm abzulegen und sich auf den Weg zu seiner Unterkunft in Bankside zu begeben, hatte der Regisseur das beunruhigende Gefühl, den Mann nie mehr lebend wiederzusehen.
