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Nachdem die Pest ein paar Wochen lang mit der Stadt gespielt hatte, holte sie jetzt zum tödlichen Schlag aus. London war hilflos. Die Stadt litt unter hämmernden Kopfschmerzen, kaltem Schauer, fürchterlichen Rückenschmerzen, rasendem Puls, Atemnot, hohem Fieber und vollständiger Rastlosigkeit. Widerliche Beulen bildeten sich in der Leistengegend und in den Achselhöhlen. Unkontrollierbares Erbrechen setzte ein. Wenn der Körper erlahmte, brach auch der Geist zusammen. Delirium setzte ein. Die Sterblichkeitsrate stieg unerbittlich an, die Leute lernten wieder einmal zu beten.

»Wann müßt Ihr abreisen, Sir?«

»Sobald es erforderlich wird.«

»Gibt es denn gar keine Hoffnung auf Rettung?«

»Leider nicht, meine Liebe. Allein sieben Todesfälle wurden in dieser Kirchengemeinde gemeldet, ein Dutzend oder mehr in Cripplegate. Wenn man alle Gemeinden zusammenzählt, steigt die Anzahl mit Leichtigkeit auf dreißig und vielleicht sogar auf das Dreifache davon.«

»Der Herr steh uns bei!«

»Für uns armselige Schauspieler gibt es keinen Trost, denn wir sind die ersten, die der Seuche geopfert werden. Der Staatsrat hat einen Erlaß herausgegeben: Alle Theater, Tierkampfstätten und Orte, an denen sich Menschenmassen versammeln, müssen sofort geschlossen werden. Es ist niederträchtig.«

»Es ist unüberlegt, Sir.«

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Margery Firethorn zog ihren Gatten an sich und ließ ihn die Wärme ihrer Zuneigung spüren. Weiß der Himmel, es war keine gemütliche Ehe gewesen, doch er hatte es nie bereut, selbst wenn die Leidenschaften am stürmischsten waren. Margery war eine gute Frau und liebende Mutter, eine sparsame Hausfrau und überzeugte Christin. Das Leben mit einem so ausschweifenden Partner wie Lawrence Firethorn hätte gewiß jede andere Frau abgeschreckt, doch sie hatte sich der Herausforderung mit standhafter Tapferkeit gestellt. Sie waren beide füreinander bestimmt. Gleichgesinnte Geister, aus dem gleichen Holz geschnitzt.



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