
»Wie kann Er dir helfen?«
Humphrey Budden biß sich verlegen auf die Lippen und räusperte sich. Es war viel einfacher, seine Sache in die Kirche zu bringen, als sie dort auch vorzutragen. Die Worte sträubten sich.
Miles Melhuish versuchte, ihm vorsichtig auf die Sprünge zu helfen.
»Hast du Schwierigkeiten, mein Sohn?«
»Ich nicht, Sir.«
»Deine Frau?«
»Allerdings.«
»Was macht der guten Frau zu schaffen?«
»Oh, Sir…«
Humphrey Budden begann hilflos zu weinen. Das Unglück, das ihn so ungestüm in die Kirche geführt hatte, hatte ihn der Sprache beraubt. Der Pfarrer schob ihn sanft in die Bank, setzte sich neben ihn und sprach stumm ein Gebet. Nach und nach gewann Budden die Kontrolle über sich zurück.
»Erzähl mir von Eleanor«, sagte der Priester.
»Ich liebe sie so sehr!«
»Ist vielleicht ein Unglück passiert?«
»Schlimmer, Sir.«
»Guter Gott! Ist sie dahingeschieden?«
»Sogar noch schlimmer als das.«
Melhuish holte die Geschichte aus ihm heraus. Selbst in der verworrenen Fassung war sie so schrecklich, daß der geistliche Herr seinen Umfang und seinen Aufenthaltsort vergaß. Er hob seinen Bauch mit beiden Händen an und lief schnellen Schrittes auf die Kirchentür zu, Budden dicht auf den Fersen. Sie rannten auf den Kirchhof und verließen ihn durch eine Pforte, die sie zur Angel Row brachte. Das Haus war nur ein paar hundert Meter entfernt, und obwohl die Anstrengung beide an den Rand der Erschöpfung brachte, legten sie keine Pause ein. Trotz ihres keuchenden Atems hörten sie ein Geräusch, das ihnen das Blut beinahe gerinnen ließ, und verdoppelten ihre Schritte.
Es war der Schrei einer Frau. Nicht der plötzliche Aufschrei von jemand, der großen Schmerz erleidet, auch nicht der gequälte Schrei der Sorge. Es war das unheimliche, anhaltende, schrille Heulen eines wilden Tieres, so intensiv und unnatürlich, daß es kaum aus einer menschlichen Kehle kommen konnte. Budden öffnete die Haustür und führte den Priester in einen Raum, in dem sich bereits einige Personen aufhielten. Vier verschreckte Kinder versteckten sich hinter den Röcken einer alten Dienstmagd und starrten mit entsetzten Augen zur Zimmerdecke hinauf.
