Humphrey Budden gab ihnen einen beruhigenden Klaps und ging mit seinem Besucher nach oben. Während dieser paar Sekunden betete Miles Melhuish so intensiv wie schon lange nicht mehr. Das Geräusch war herzzerreißend. Er mußte sich zwingen, dem geschlagenen Ehemann ins Schlafzimmer zu folgen. Welcher fürchterliche Anblick erwartete ihn dort?

Als seine Augen sahen, was vor ihnen lag, bekreuzigte er sich auf der Stelle.

»Gütiger Gott im Himmel!«

»Eleanor!« rief Budden. »Frieden, gute Frau!«

Doch sie hörte ihn nicht. Das Heulen ging mit unverminderter Intensität weiter, ihre Hände rissen an ihren Haaren. Melhuish war wie vom Blitz getroffen. Dort vor ihm kniete eine völlig nackte, dralle Frau in den Zwanzigern auf dem Boden, schwankte hin und her und starrte ein Kruzifix an der Wand an. Das lange blonde Haar fiel ihr über den Rücken, bis auf die runden, hübschen, zitternden Pobacken. Eine Szene, die gleichzeitig so furchterregend und erotisch war, daß Melhuish für ein paar Sekunden den Blick abwenden und seine Rechtschaffenheit zu Hilfe rufen mußte.

Eleanor Budden befand sich in den Klauen irgendeiner unentrinnbaren Leidenschaft. Als ihr Heulen noch schriller wurde, lagen Schmerz und Lust darin, erlittene Qualen und genossene Freuden, das Elend der Verdammnis und die Freude der Rettung. Der Mund, der das Geheul ausstieß, war grimassenhaft verzerrt, doch auf ihrem Gesicht war ein glückliches Leuchten.

»Eleanor«, sagte ihr Mann. »Sieh nur, wer gekommen ist.«

Er winkte den Priester näher, bis dieser zwischen der Frau und dem Kruzifix stand. Sofort zeigte sich eine Wirkung. Das Geheul brach ab, ihr Mund schloß sich, die Hände berührten ihre Seiten, und ihr Körper schwankte nicht mehr. Das ohrenzerreißende Geheul wurde durch eine unheimliche Stille ersetzt, die fast genauso schlimm war.



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