Zorniges Geschrei erhob sich aus der Meute, die sich um das Hauptvergnügen geprellt fühlte. Doch die Henker hatten keine Pfuscharbeit geleistet. Als das Opfer vom Strick abgeschnitten wurde, bewegte es sich kurz und stieß einen Seufzer aus. Der junge Mann war durchaus in der Lage, zu erkennen, was als nächstes geschah. Unter seinen geschwollenen Lidern warf er seinen Peinigern einen anklagenden Blick zu. Es war offensichtlich, daß er die Henkersknechte bestochen hatte, damit sie ihn am Galgen sterben ließen und ihm die weiteren Qualen ersparten, die zu seinem Urteil gehörten.         

Die Henker hatten sein Geld mit ernstem Gesicht genommen und leichtfertig vergessen, was sie ihm versprochen hatten.             

Der Verräter wurde das Opfer eines weiteren Verrats.

Man riß ihm die Kleider vom Leib und kastrierte ihn mit einem blitzenden Messer, was die Massen in noch größere Blutrünstigkeit versetzte. Jetzt folgte das rituelle Ausweiden. Die Henker schlitzten seinen Leib auf und rissen ihm die Eingeweide heraus, um sie vor seinen Augen zu verbrennen. Als sie mit der blutigen Leiche nichts mehr anfangen konnten, köpften sie den Kadaver und vierteilten ihn. Schließlich kam die systematische Schlächterei zu einem Ende. Die Zuschauer waren mit der Vorstellung zufrieden.

*

Christopher Millfield erlaubte sich ein schwaches Lächeln.

London war in Schweiß gebadet. Die faulige Verseuchung verbreitete sich im Gewirr seiner Straßen und Gassen. Den ganzen Tag läuteten die Glocken zu Totenmessen, Priester hetzten von einem Haus des Todes zum nächsten. Leichenbestatter verdienten ein Vermögen, und eine wurmzerfressene Generation von Kirchendienern scheffelte Geld, indem sie das Elend der Hinterbliebenen ausnutzte und die Beerdigungsgebühren erhöhte. Aasgeier mästeten sich an den verendeten Körpern ihrer Mitmenschen.

Die Flucht aus der Stadt nahm zu.

»Ich hasse es, die Stadt zu verlassen, Nick.«



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