»Hier können wir doch nicht bleiben.«

»Wo sie ist, da muß auch ich sein.«

»Das seid Ihr ja auch, Edmund«, sagte sein Freund. »Wenn sie Eure Verse hat, hält sie Euer innerstes Wesen in der Hand.«

»Daran hatte ich noch nicht gedacht.«

»Dann denkt jetzt dran. Eure Abwesenheit macht ihr Herz nur noch zärtlicher, und mit hübschen Briefen und zärtlichen Gedichten könnt Ihr diese Zärtlichkeit noch steigern. Eure Feder muß ihr das sagen, was Eure Lippen ihr nicht sagen können.«

»Das klingt wirklich tröstlich.«

»Umwerbt sie aus jedem Ort in ganz England.«

»Welch ein Willkommen werde ich erleben, wenn ich zu ihr zurückkehre!«

Edmund Hoode strahlte. Es war immer hilfreich, mit Nicholas Bracewell über persönliche Probleme zu sprechen. Der Regisseur war ein Mann von Welt und besaß großes Verständnis für die wunderlichen Launen der Liebe. Seine Ratschläge waren immer vernünftig, sein Mitgefühl grenzenlos. Hoode hatte schon häufig Grund zu Dankbarkeit gehabt, und auch jetzt überkam ihn dieses Gefühl. Nicholas hatte ihm bewiesen, daß ein beglückender Kompromiß möglich war. Es war keine Desertion, die Stadt zu verlassen. Er konnte auch aus der Ferne das Herz seiner Angebeteten umwerben. Das würde ihm exquisite Schmerzen der Einsamkeit bescheren und den Zauber der Erfüllung noch steigern. Wenn er nach London zurückkehrte.

»Ich werde ihr sofort ein Sonett schicken«, beschloß er.

»Ihr habt nur noch den heutigen Tag, um es zu schreiben.«

»Heute den Tag und die Nacht dazu, Nick. Ich opfere ihrem Dienst jeden Gedanken an Schlaf. Meine Muse hilft mir am besten im Dunkel der Nacht.«

»Erschöpft Euch nicht vollständig, Edmund. Morgen beginnt eine lange Reise.«

»Ich beginne sie in bester Verfassung.«

»Das höre ich gerne.«

»Könnte der liebe Gabriel doch nur mit uns ziehen!«

»Auch ich hatte diese Hoffnung gehabt.«



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