An einem schwülen Vormittag wanderten die beiden Männer durch Bankside. Sie hatten einen unerfreulichen Auftrag. Fliegenschwärme schwebten über Abfallhaufen, Ratten wühlten in verrottenden Essensresten. Als die beiden Freunde den schmutzigsten Teil des ganzen Bezirks betraten, sahen sie Zeichen des Todes und des Verfalls auf allen Seiten. Sie waren schockiert bei dem Gedanken, daß einer ihrer Kollegen gezwungen gewesen war, in einem solchen Gehege vermodernder Menschlichkeit zu leben. Gabriel Hawkes hatte auf der Bühne glanzvolle Prinzen dargestellt, doch sein Privatleben war das eines armseligen Schluckers gewesen.

Sie kamen gerade rechtzeitig. Als sie in die Smorrall Lane einbogen, sahen sie den Leichenkarren, der bereits randvoll mit gräßlicher Fracht beladen war. Der Karren hielt vor einer Tür, die mit einem blauen Kreuz gekennzeichnet war, und eine weitere Leiche wurde aufgeladen. Dann rumpelte der Karren zu dem Haus, in dem Gabriel Hawkes gewohnt hatte. Es war mit Brettern verrammelt, und die Schrift an der Tür zeigte, daß die Pest auch in diesem Haus gewohnt hatte. In ein schmutziges Leichentuch gehüllt, wurde der Körper unsanft aus dem Haus geschleppt und auf den Karren geworfen.

Nicholas trat vor, um zu protestieren.

»Ein bißchen sanfter, Sirs!« sagte er.

»Verschwindet!« schnarrte der Fuhrmann.

»Das ist unser Freund, den Ihr da so unsanft behandelt.«

»Das ist eben unser Geschäft.«

»Erledigt Eure Arbeit mit etwas mehr Achtung.«

Der Kutscher stieß ein krächzendes Spottgelächter aus und schlug mit den Zügeln auf die Rücken der beiden Pferde. Rumpelnd bewegte sich der Karren die Gasse hinunter. Er hatte seine Ladung jetzt beisammen und machte sich auf den traurigen Weg zu einem Stück Brachland, jenseits des Gassenlabyrinths. Nicholas und sein Freund folgten dem Wagen die ganze Strecke, denn sie wollten bei der Beerdigung ihres früheren Kollegen zugegen sein. Sie beide hatten Gabriel Hawkes so geschätzt, daß sie für seinen Verbleib in der Tournee-Gruppe plädiert hatten, und es tat ihnen weh, daß ihre glücklichen Erinnerungen durch das getrübt wurden, was sie jetzt mit eigenen Augen ansehen mußten. Ein Ausbund an Witz, Wärme und echtem Talent lag jetzt im Leichentuch vor ihnen.



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