
»Leider gar nichts. Nur soviel, daß sie gestern ausgelaufen sind.«
»Por Dios! Was haltet Ihr davon?«
»Ich denke, die Burschen haben sich auf irgendeine Art und Weise befreit und die Mannschaft überwältigt.«
»Richtig, Porquez schleppte sie ja noch immer im Kielraum mit. Maldito! Der Teufel soll sie holen. Wißt Ihr, welchen Kurs sie genommen haben?«
»Van Brincken, der Reeder an Land, sprach davon, daß sie nach Nordwesten ausgelaufen seien.« Marina nahm ihren Gürtel, an dem der Degen hing, von der Wand und legte ihn um ihre schmalen Hüften. Fest zog sie die Schnalle zu. In ihren Augen war der alte Glanz zurückgekehrt. Sie zog den Degen aus der Scheide und hieb ein paarmal durch die Luft, daß es pfiff. »Bueno, Senor Virgen, ich übernehme ab sofort wieder das Kommando. Was habt Ihr bis jetzt veranlaßt?«
»Ich habe das Zinn und den Pfeffer verkauft und die Handwerker bestellt, damit sie den Mast in Ordnung bringen. Wollt Ihr die Abrechnung mit van Brincken nun übernehmen?« »Nein, nein. Erledigt nur alles, was Ihr in die Wege geleitet habt, und seht zu, daß wir so schnell wie möglich fertig werden.«
Das Entladen dauerte immerhin Stunden. Der defekte Mast und die Rahen waren längst wieder in Ordnung, als die Boote immer noch unermüdlich zwischen Schiff und Land zogen. — Aber noch bevor die Sonne unterging, hißte die »Trueno« die Segel und zog in großem, elegantem Bogen davon.
Marina und Virgen standen tief über die Karten gebeugt im Steuerhaus. Die Gräfin setzte die Spitze des Zirkels auf Pasangan und zog einige Kreise. Der Steuermann hatte den Rechenschieber in der Hand und schrieb immer neue Zahlen auf ein Blatt Papier. Das Rechnen nahm kein Ende. Der Möglichkeiten waren zu viele.
»Weiß der Teufel, wir müßten zwischen den Nikobaren und Malakka die ganze See absuchen. Ich habe wenig Hoffnung, sie zu finden.« Er warf den Bleistift auf den Tisch.
