Marina hatte noch immer den Zirkel in der Hand. Ihre Finger spielten damit, und es gab klickende Geräusche. Eine steile Falte stand über ihrer Nase. Der Ausdruck in ihren Augen war grüblerisch.

»Ich weiß nicht«, sagte sie, »ob wir Erfolg haben werden, wenn wir zwischen den Inseln suchen. Wenn ich Mustapha wäre, dann würde ich versuchen, soviel Wasser wie möglich zwischen mich und etwaige Verfolger zu bringen. Und ich glaube, er wird diesen Gedanken auch gehabt haben, als er die Fracht verschleuderte. Es gibt immerhin zu denken, daß er das kleine Pasangan anlief, um Zinn und Pfeffer hier loszuwerden. Weshab sollte erdann nicht auf die Spitze von Sumatra, bei Rondo oder Wai etwa, den Kurs auf West ändern, um den freien Ozean zu gewinnen. Dort unten hat er Spielraum und guten, stetigen Ostwind.«

»Ihr dürftet recht haben, Senorita. Wollten wir ihn aber in den Ozean verfolgen, so bleibt immer noch die Frage offen, ob er südlich um Ceylon herumgeht oder durch die Palkstraße segelt.« »Er geht mit Sicherheit südlich um Ceylon; denn er muß ja versuchen, das Kap der guten Hoffnung zu gewinnen. Ziehen wir eine Linie von der Spitze Sumatras bis zum Kap, dann haben wir die Route. Ich bin dafür, daß wir mit vollen Segeln auf diesen Kurs gehen.« »Bien, Senorita, Ihr werdet wahrscheinlich recht haben.« —

Tag und Nacht war der Mastkorb abwechselnd von den fähigsten Leuten besetzt. Unablässig suchten die Fernrohre den Horizont ab. Tag um Tag verrann, ohne daß man den Türken gewahrte.

Drei Tage waren so vergangen. Am Morgen des vierten schrie der Mann im Ausguck: »Schiff Steuerbord voraus!«

Wie ein Funke am Pulverfaß zündete dieser Ruf bei den Männern. Sie schrien und tobten durcheinander. Messer wurden gewetzt. Die Kanoniere schleppten Kugeln und Pulver an die Geschütze. Die »Trueno« lag mit voller Fahrt vorm Winde. Sie durchschnitt die Wellen wie eine Sportjacht. Kein Schiff konnte ihr entkommen.

Virgen drehte das Rad im Schweiße seines Angesichts, um die größtmögliche Geschwindigkeit herauszumanövrieren. Marina ließ das Glas nicht mehr vom Auge. Doch wie groß war die Enttäuschung, als man die britische Flagge erkannte!



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