«Komm, Philip. Wir werden sie nie wieder um einen Gefallen bitten. Sie wollte dich nicht einmal sehen. Vergiß das nie, Philip, deine Großmutter ist ein gehässiges Biest.«

Ich hatte es nicht vergessen. Ich hatte selten daran gedacht, aber ich konnte mich noch deutlich erinnern, wie ich auf dem Stuhl in der Halle saß, ohne mit den Füßen bis auf den Boden zu reichen, und steif in meine neuen Kleider eingezwängt wartete und dem Gezeter lauschte.

Von ein, zwei traumatischen Wochen dann und wann einmal abgesehen, hatte ich eigentlich nie richtig mit meiner Mutter zusammengelebt. Wir hatten kein Haus, keine Adresse, keine feste Bleibe. Da sie selbst ständig auf Achse war, hatte sie das Problem meiner Unterbringung einfach gelöst, indem sie mich, mal kürzer, mal länger, bei einer langen Reihe von meist verwunderten verheirateten Freundinnen ablud, die, wenn man’s nachträglich bedenkt, bemerkenswert großzügig gewesen waren.

«Sei so gut und paß ein paar Tage auf Philip auf, Liebes«, sagte sie etwa, wenn sie mich wieder einmal auf eine fremde Dame zuschubste.»Bei mir geht im Moment alles drunter und drüber, und ich weiß beim besten Willen nicht, wohin mit ihm. Du weißt ja, wie das ist, liebe Deborah… (oder Miranda oder Chloe oder Samantha oder wer auch immer unter der Sonne)… sei ein Schatz, ich hol ihn dann am Samstag wieder ab, ganz bestimmt. «Meistens gab sie dann der lieben Deborah oder Miranda oder Chloe oder Samantha einen dicken Schmatz, und weg war sie in einer Wolke von Parfüm.

Der Samstag kam, aber meine Mutter nicht, doch zu guter Letzt tauchte sie immer wieder auf, total aufgekratzt, lachend und überströmend vor Dankbarkeit, und holte sozusagen ihr Paket von der Gepäckaufbewahrung ab. Manchmal wurde ich ein paar Tage, manchmal ein paar Wochen oder gar Monate nicht abgeholt. Ich wußte vorher nie, was auf mich zukam, und ich fürchte, meinen Gastgeberinnen ging es nicht anders. Meistens bezahlte sie wohl etwas für meine Betreuung, aber das wurde alles unter Gekicher abgewickelt.



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