
Der Winternachmittag verdämmerte bereits, von Minute zu Minute leuchtete das verschwommene Licht der elektrischen Lampen heller durch den Regen. Ich dachte an mein leeres Häuschen; da gab’s nicht viel, um den Abend auszufüllen, zwei Eier, ein Stück Käse und schwarzen Kaffee zum Abendessen; die Lust, mehr zu essen, und den Zwang, es sich zu verkneifen. Wenn ich mitkam, dachte ich, würde das meine Gedanken zumindest vom Essen ablenken, und wenn mir etwas bei meinem ständigen Kampf gegen die Pfunde half, konnte es nicht nur von Übel sein. Selbst wenn es sich um eine Begegnung mit meiner Großmutter handelte.
«Also gut«, sagte ich resigniert,»bringen Sie mich hin.«
Die alte Frau saß aufrecht in ihrem Bett und starrte mich an. Falls sie im Begriff war zu sterben, dann gewiß nicht an diesem Abend. Aus ihren dunklen Augen sprach größte Lebenskraft und in ihrer Stimme lag keinerlei Todesschwäche.
«Philip«, stellte sie fest und taxierte mich von oben bis unten.
«Ja.«
«Ha!«
In diesem explosiven Laut schwang sowohl Triumph als auch Verachtung mit. Genau das hatte ich erwartet. Mit ihrem eisernen Willen hatte sie meine Kindheit zerstört und bei ihrer eigenen Tochter noch weit größeres Unheil angerichtet, und ich stellte zu meiner Erleichterung fest, daß ich mich auf keinerlei sentimentales Flehen um Verzeihung gefaßt machen mußte. Die Devise war immer noch Ablehnung, wenn auch in gemäßigter Form.
«Ich wußte, daß du sofort angerannt kommst, wenn du von dem Geld hörst«, sagte sie. Ihr kalter Hohn war nicht zu überbieten.
«Was für Geld?«
«Die hunderttausend Pfund natürlich.«
«Von Geld hat niemand was gesagt«, sagte ich.
«Lüg nicht. Was hätte dich sonst hergetrieben?«
«Man hat mir gesagt, daß du im Sterben liegst.«
Sie bedachte mich mit einem verblüfften, boshaften Blitz aus ihren Augen und einem Zähneblecken, das nichts mit einem Lächeln zu tun hatte.»Früher oder später trifft es jeden.«
