
«Genau«, sagte ich.»Und wir bezahlen alle den gleichen Preis. Eines Tages, wenn die Zeit reif ist.«
Sie entsprach wahrlich nicht dem Idealbild einer lieben, kleinen, rosenwangigen Oma. Ein hartes, stures Gesicht mit tief eingegrabenen Falten der Mißbilligung um den Mund herum. Eisgraues Haar, immer noch kräftig, sauber und gut frisiert. Ihre bleiche Haut war braun gefleckt von Alterssommersprossen, und auf ihren Handrücken wölbten sich dunkle Adern. Eine magere Frau, fast ausgemergelt, und hochgewachsen, soweit ich das beurteilen konnte.
Der große Raum, in dem sie lag, war eher wie ein Wohnzimmer mit Bett als wie ein Krankenzimmer eingerichtet. Das paßte zu dem Gesamteindruck, den ich bei meinem Gang durch das Haus gewonnen hatte. Ein umfunktioniertes Landhaus: Hotel mit Pflegepersonal. Überall Teppiche, lange Chintzvorhänge, Blumensträuße. Kultiviertes Sterben, dachte ich.
«Ich habe Mr. Folk Anweisung gegeben, dir das Angebot zu machen«, sagte sie.
Ich überlegte.»Dem jungen Mr. Folk? Etwa fünfundzwanzig? Jeremy?«
«Unsinn. «Sie war ungehalten.»Mr. Folk, meinem Anwalt. Ich habe ihn beauftragt, dich hierherzuschaffen. Und er hat seinen Auftrag erfüllt. Du bist hier.«
«Er hat seinen Enkel geschickt.«
Ich trat von ihrem Bett zurück und setzte mich unaufgefordert in einen Sessel. Warum hatte Jeremy wohl die hunderttausend Pfund nicht erwähnt? Eine Kleinigkeit, die man eigentlich nicht so leicht vergaß.
Meine Großmutter starrte mich ohne jedes Zeichen der Zuneigung unentwegt an und ich starrte zurück. Mir mißfiel ihre Gewißheit, daß man mich kaufen konnte. Ihre Verachtung stieß mich ab, und ich mißtraute ihren Absichten.
«Ich werde dir in meinem Testament hunderttausend Pfund vermachen, unter gewissen Bedingungen«, sagte sie.
«Nein, das wirst du nicht tun«, sagte ich.
