Man verständigte sich in kurzen Sätzen.

»Das Bildmaterial ist zu lahm.«

»Kürzen, dann wird's griffiger.«

»Schneideraum: Raus mit >Korruption<. Aber falls wir Dallas nicht kriegen, kommt's wieder rein.«

»Die letzten fünfzehn Sekunden von dem Clip sind tödlich. Da erzählen wir den Leuten doch nur, was sie schon wissen.«

»Die Oma in Omaha bestimmt nicht.«

»Dann wird sie's auch nie erfahren. Raus damit.«

»Erster Teil abgeschlossen. Sind jetzt auf Werbung. Hängen vierzig Sekunden hinter der Zeit.«

»Was hat die Konkurrenz über Dallas gebracht?«

»Eine Tell-story, wie wir.«

»Ich brauch' 'n Aufreißer und 'ne Schlußzeile für >Drogenrazzia<, aber schnell.«

»Raus damit. Das bringt doch nichts.«

»Was wir hier machen ist ungefähr so, als wenn du 'nen erwachsenen Mann in 'nen Kinderanzug steckst.«

Ein Beobachter, der mit der Szene nicht vertraut ist, wird sich vielleicht fragen: Sind das überhaupt noch Menschen? Haben sie kein Mitgefühl? Spüren sie keine Betroffenheit, keinen Kummer? Hat einer von ihnen auch nur eine Sekunde an die fast dreihundert verängstigten Seelen in diesem Flugzeug gedacht, die den Tod vor Augen haben? Ist denn da keiner, dem das etwas ausmacht?

Und jemand, der sich im Nachrichtengewerbe auskennt, wird vielleicht antworten: Doch, hier gibt es Leute, denen es etwas ausmacht, und sie werden Mitgefühl empfinden, vielleicht sogar gleich nach der Sendung. Oder andere wird das Entsetzen überkommen, wenn sie zu Hause sind, und je nachdem, wie die Sache ausgeht, werden einige sogar weinen. Aber in diesem Augenblick hat niemand dazu Zeit. Die Leute sind Nachrichtenprofis. Und ihre Aufgabe ist es, das Geschehen zu dokumentieren, das Gute mit dem Schlechten, und es schnell und effektiv und vor allem so zu tun, daß - um es etwas altmodisch auszudrücken - »das verehrte Publikum daran Interesse finde«.



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