»O Mann«, warf Rita dazwischen. »Brod, nicht schon wieder die alte Leier.«

Rita hatte überlaut gesprochen, wie sie es manchmal tat. Zwei Uniformierte des Flughafensicherheitsdienstes hatten eben die Bar betreten und sahen sich nun neugierig nach ihr um. Rita bemerkte es lächelte und winkte ihnen zu. Die Männer musterten die Gruppe und die Ansammlung von Kameras und Ausrüstungsgegenständen, auf denen überall deutlich das CBA-Logo prangte. Sie erwiderten das Lächeln und gingen weiter.

Harry Partridge, der die Szene beobachtet hatte, dachte: Heute sieht man Rita ihr Alter an. Obwohl sie eine Sinnlichkeit verströmte, die viele Männer in ihren Bann gezogen hatte, waren die verräterischen Linien in ihrem Gesicht unübersehbar; und die professionelle Härte, mit der sie von sich selbst ebensoviel verlangte wie von ihren Mitarbeitern, äußerte sich manchmal in einer gewissen herrischen Manieriertheit, die sie nicht eben attraktiv machte. Im Augenblick gab es dafür einen konkreten Grund: die Belastungen und die schwere Arbeit, die sie in den vergangenen zwei Monaten mit Harry und den anderen geteilt hatte.

Rita war dreiundvierzig und hatte noch bis vor sechs Jahren als Korrespondentin vor der Kamera gestanden, wenn auch bereits weniger häufig als in ihren jüngeren und attraktiveren Jahren. Jeder wußte, daß es ein gemeines und ungerechtes System war, in dem Männer noch vor der Kamera auftreten konnten, wenn sich in ihrem Gesicht schon das Alter bemerkbar machte, während Frauen beiseite geschoben wurden wie eine Geliebte, von der man genug hat. Einige wenige Frauen hatten versucht, dagegen anzukämpfen - Christine Craft etwa, eine Reporterin und Moderatorin, war sogar vor Gericht gezogen -doch ohne Erfolg.



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