
Nun, in der Abgeschlossenheit des fahrenden Autos, fragte sich Sloane in einem Augenblick der Ehrlichkeit vor sich selbst: Wie fühle ich mich im Umgang mit Harry Partridge? Und er mußte sich mit ähnlicher Offenheit eingestehen: Er macht mich unsicher. Frage und Antwort hatten ihre Wurzeln in der jüngeren Geschichte.
Die beiden kannten sich bereits seit über zwanzig Jahren, so lange wie sie bei CBA News arbeiteten, denn beide waren fast gleichzeitig in den Sender eingetreten. Von Anfang an waren sie beruflich erfolgreich, doch sehr entgegengesetzt in ihren Persönlichkeiten gewesen.
Sloane war pedantisch, anspruchsvoll und makellos in Sprache und Kleidung; er genoß es, Autorität zu besitzen, die ihn auch wie eine natürliche Aura umgab. Jüngere neigten dazu, ihn mit »Sir« anzureden und ließen ihm an der Tür den Vortritt. Bei Leuten, die er nicht kannte, konnte er kühl, sogar leicht distanziert sein, und doch gab es in jeder Art von zwischenmenschlichem Kontakt kaum etwas, das ihm entging, ob es nun ausgesprochen wurde oder nur angedeutet.
Partridge dagegen war lässig in seinem Auftreten und auch in seiner Kleidung eher salopp. Er bevorzugte alte Tweedsakkos und trug nur selten einen Anzug. Seine Ungezwungenheit gab den Leuten, mit denen er sprach, ein Gefühl der Sicherheit und Gleichwertigkeit, und manchmal hatte es den Anschein, als würde ihn nichts sonderlich interessieren. Doch das war eine bewußte Täuschung. Schon früh in seiner Journalistenkarriere hatte Partridge gelernt, daß er mehr herausfand, wenn er eher unbedeutend wirkte und seine scharfe, außergewöhnliche Intelligenz versteckte.
