
Partridge mäßigte nun ebenfalls seinen Ton: »Vorwiegend Statistiken. Ich weiß, daß jemand sie hat, daß es Berichte gibt, daß Untersuchungen angestellt wurden.«
Mit einer Bewegung, die ihm später auf liebevolle Weise vertraut werden sollte, strich sie ihre Haare zurück. »Kennen Sie Rex Talbot?«
»Ja.« Talbot war ein junger amerikanischer Vizekonsul an der Botschaft in der Thong Nhut Street, nur wenige Blocks entfernt.
»Ich würde vorschlagen, Sie fragen ihn nach dem MACVProject Nostradamus Report.«
Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas mußte Partridge lächeln. Er fragte sich, welches Hirn diesen Titel wohl ausgebrütet hatte.
»Sie müssen Rex ja nicht wissen lassen, daß ich Sie geschickt habe«, fuhr Jessica fort. »Tun Sie einfach so, als wüßten Sie...«
Er beendete den Satz für sie. »...etwas mehr, als ich wirklich weiß. Ein alter Journalistentrick.«
»Den Sie auch bei mir angewendet haben.«
»In gewisser Weise«, gab er lächelnd zu.
»Ich hab's die ganze Zeit gewußt«, sagte Jessica. »Aber ich hab'sIhnen durchgehen lassen.«
»Sie sind doch nicht so herzlos, wie ich dachte«, erwiderte er. »Wie wär's, wenn wir uns heute abend beim Essen eingehender über das Thema unterhielten?«
Jessica war selbst überrascht, daß sie die Einladung annahm.
Später entdeckten sie dann, daß sich jeder in der Gegenwart des anderen wohlfühlte, und so wurde dieses Abendessen zur ersten einer langen Reihe von Verabredungen. Doch blieben ihre Begegnungen erstaunlich lange rein platonisch, denn etwas hatte Jessica in ihrer offenen, unverblümten Art von Anfang an klargestellt.
»Ich möchte, daß Sie eins verstehen: Gleichgültig, was hier sonst alles läuft, bei mir gibt's keine schnelle Geschichte. Wenn ich mit jemand ins Bett gehe, dann ist das für mich etwas ganz Besonderes und Wichtiges, und das muß es auch für meinen Partner sein. Sagen Sie also nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.« Wegen Partridges Ausflügen in andere Landesteile Vietnams mußte ihre Beziehung auch lange Trennungen überstehen.
