Das stimmte. Ich wußte auch, daß der Staat zwar meine Studiengebühren tragen würde, daß ich aber wegen meines vermögenden Vaters keinen Anspruch auf Wohngeld oder sonstige Unterstützung hatte. In einigen Ländern konnte man sich notfalls sein Studium selber verdienen, aber in England war das kaum drin. Wenn mein Vater nicht für meinen Unterhalt aufkam, würde ich, realistisch gesehen, weder in Exeter noch sonstwo studieren können.

Ich sagte mit unbeteiligter Stimme: »Als ich dich seinerzeit gefragt habe, hast du gesagt, ein Zwischenjahr ginge in Ordnung.«

»Damals wußte ich noch nicht, daß du das Jahr auf der Rennbahn verbringen wolltest.«

»Da kann man doch was lernen.«

»Da kann man moralisch auf den Hund kommen.«

»Du vertraust mir nicht!« Die gekränkte Selbstachtung in meinem Ton war nicht zu überhören. Ein Quengeln fast. Ruhiger fügte ich hinzu: »Schon weil du immer sauber warst, werde auch ich sauber bleiben.«

»Unbestechlich, meinst du?« Meine kleine Schmeichelei ließ ihn kalt. »Du machst keine krummen Sachen, und niemand zweifelt an deiner Integrität? Und was ist mit dem Gerücht, daß du Drogen nimmst? Gerüchte ruinieren den Ruf schneller als die Wahrheit.«

Ich war still. Ein unbegründeter Vorwurf hatte mir an diesem Morgen die schöne Illusion genommen, Unschuld schütze vor übler Nachrede. Das war es wahrscheinlich, was mein Vater unter »Lernen fürs Leben« verstand.

Ein Klopfen an der Tür riß mich aus meinen bitteren Gedanken, und ich bekam ein Frühstück vorgesetzt, an dem ich ruhigen Gewissens meinen ewigen Hunger stillen durfte. Um mein Gewicht möglichst niedrig zu halten, hatte ich manchmal gefastet, bis mir schwindlig war. Als ich jetzt heißhungrig über das Tablett herfiel, staunte ich darüber, wie genau mein Vater wußte, was ich essen würde und was nicht.

»Iß, aber hör zu«, sagte er. »Wenn du das Zeug zum weltbesten Hindernisjockey hättest, würde ich dich ... mit meiner Bitte verschonen. Wenn du ein angehender Mozart, Isaac Newton oder sonst ein Genie wärst, könnte man nicht von dir verlangen, daß du damit aufhörst. Und du sollst das Reiten auch gar nicht ganz aufgeben, du sollst nur aufhören, dein Leben darauf aufzubauen.«



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