
Sie griff zum Telefon, drückte eine Nummer, sagte etwas, hörte zu, wandte sich an mich.
»Bitte fahren Sie nach oben. Zimmer 412. Der Lift ist dort links.«
Mein Vater stand in einer offenen Tür, als ich auf der Suche nach Nummer 412 den Gang entlang kam. Ich blieb stehen und sah, wie er mich getreu seiner Gewohnheit musterte, vom dunklen, wasserunempfindlichen Lockenschopf, den braunen Augen, dem schmalen Gesicht bis zu dem dünnen Gestell von rund einem Meter achtzig mit den langen Beinen, die in ungeputzten Stiefeln steckten: kein erhebender Anblick für einen ehrgeizigen Erzeuger.
»Ben«, sagte er. Er schnaubte durch die Nase, als fände er sich mit einer Last ab. »Komm rein.«
Er war immer bemüht, mir ein guter Vater zu sein, aber wenn ich ihn bei Gelegenheit als solchen lobte, gab er nichts darauf.
Ich war ein von ihm ungewolltes Kind, das Zufallsprodukt seiner Teenagerliebe zu einer Frau, die vom Alter her seine Mutter hätte sein können. An dem Tag, als ich nach Brighton kam, war ich fast so alt wie er, als er mich gezeugt hatte.
Im Lauf der Jahre hatte ich die Einzelheiten aufgeschnappt. In beiden Familienverbänden war der Teufel los gewesen, als sie von der Schwangerschaft erfuhren, aber (der Zeit entsprechend) erst recht, als meine Mutter sich weigerte, abzutreiben, und bei der ebenso raschen wie glücklichen Hochzeit hatte sich niemand blicken lassen.
Außer dem Hochzeitsfoto besaß ich kein Andenken an meine Mutter, die, eine Ironie des Schicksals, bei meiner Geburt an Eklampsie starb und ihren jungen Ehemann mit dem, wie es hieß, seine glänzenden Zukunftsaussichten zerstörenden Baby allein zurückließ.
George Juliard, der nicht umsonst als heller Kopf galt, hatte jedoch prompt sein ganzes Leben neu geordnet, dem Abschluß in Oxford und der geplanten Anwaltslaufbahn adieu gesagt, die Schwester seiner verstorbenen Frau überredet, mich als fünften Sohn in ihre ohnehin große Familie aufzunehmen, und war in die Wirtschaft gegangen, um das Geldgeschäft zu lernen.
