
Ich ging mit ihm in Zimmer 412 und wunderte mich nicht, in den Salon einer direkt auf den Ärmelkanal blickenden Suite zu kommen, vor deren Fenstern sich bis zum Horizont blaugrau das Meer erstreckte. Als George Juliard ausgezogen war, um Geld zu verdienen, hatte er Nägel mit Köpfen gemacht.
»Schon gefrühstückt?« fragte er.
»Keinen Hunger.«
Er ging über die Lüge hinweg. »Was hat dir Vivian Durridge gesagt?«
»Er hat mich rausgeworfen.«
»Ja, aber was hat er gesagt?«
»Ich könnte nicht reiten, und ich würde koksen und Leim schnüffeln.«
Mein Vater riß die Augen auf. »Wie bitte?«
»Du wolltest doch, daß er das sagt, oder nicht? Er meinte, er wüßte aus glaubwürdiger Quelle, daß ich Drogen nehme.«
»Hast du ihn gefragt, wer die Quelle ist?«
»Nein.« Das war mir erst hinterher im Wagen eingefallen.
»Du mußt noch viel lernen«, sagte mein Vater.
»Es war kein Zufall, daß dein Wagen da auf mich gewartet hat.«
Er lächelte ein wenig, mit glänzenden Augen. Er war größer als ich, breiter in den Schultern und insgesamt kräftiger, kompakter, aber - und das hätte man vor fünf Jahren noch nicht sagen können - wir besaßen doch eine ähnliche Statur. Seine Haare waren dunkler, dicht gelockt auf einem nahezu klassischen Kopf. Jetzt ging er auf die Vierzig zu, aber die entschlossenen Gesichtszüge hatte er auch schon auf dem Hochzeitsfoto, das gar keinen Altersunterschied erkennen ließ zwischen dem dominierenden Bräutigam und der Braut im blauen Seidenkleid, die vor dem Standesamt in jugendlicher Schönheit erstrahlte.
