
»Warum hast du das getan?« fragte ich, vergebens um einen eher sachlichen als bitteren Ton bemüht.
»Was denn?«
»Dafür gesorgt, daß ich rausfliege.«
»Ah.«
Er ging zu der zweiflügeligen Balkontür, öffnete sie und ließ die frische Küstenluft und die Kinderstimmen vom Strand herein. Einen Moment blieb er schweigend dort stehen und atmete tief durch, dann stieß er, als sei er zu einem Entschluß gekommen, die Glastür wieder zu und drehte sich zu mir um.
»Ich wollte dir einen Vorschlag machen«, sagte er.
»Was für einen Vorschlag?«
»Dazu muß ich ein bißchen weiter ausholen.« Er griff zum Telefon und bat den Zimmerservice, sofort Frühstücksflocken, Milch, Toast, gebratenen Speck mit Tomaten und Pilzen, einen Apfel, eine Banane und eine Kanne Tee heraufzubringen, ob die Küche seit über einer Stunde geschlossen sei oder nicht. »Und keine Widerrede«, sagte er danach zu mir, »du siehst aus, als hättest du seit einer Woche nichts gegessen.«
»Hast du Sir Vivian gesagt, daß ich Drogen nehme?« fragte ich.
»Nein. Nimmst du welche?«
»Nein.«
Wir schauten uns an wie Fremde, so eng wir durch unsere Gene auch verbunden waren. Ich hatte nach seinen Weisungen gelebt, die von ihm gewünschten Schulen besucht, hatte Reiten, Skifahren und Schießen gelernt, weil er meine Vorliebe für diese Sportarten finanziell unterstützte, und ich hatte nie Karten für Bayreuth, Covent Garden oder die Mailänder Scala bekommen, weil ihn diese Art von Zeitvertreib nicht interessierte.
Ich war wie die meisten heranwachsenden Söhne ein Produkt der väterlichen Erziehung. Ich wußte auch, daß er ein ausgeprägtes Ehrgefühl besaß, klar zwischen Recht und Unrecht unterschied und der Meinung war, ein jeder müsse für seine Verfehlungen einstehen und bezahlen, statt sie zu leugnen und zu vertuschen. Mit so einem Vorbild, meinten meine vier älteren Brüder oder vielmehr Cousins, könne ich einem leid tun.
