
Die Hohepriesterin war erfreut — und aufgeregt, obwohl sie davon in ihrer klassisch stoischen Art nichts merken ließ.
Die Lichter verlöschten; bewegende Musik, subtile, beruhigende Unterschalltöne, stimmten ein, und sanftes Licht umschmeichelte Podium und Zuschauer. Sie warf einen Blick auf Mutter Sukra, die sich ein letztesmal im Spiegel betrachtete, ihr langes, safrangelbes Gewand glättete und ihr langes, braunes Haar ordnete. Genau im richtigen Augenblick trat sie hinaus. Es gab kein Pult, keine Kanzel hoch oben; das hätte die von der Hohepriesterin erwartete Wirkung zerstört.
Auf dem nackten Podium wirkte Mutter Sukra schrecklich allein.
An den Wänden standen die Männer und Frauen in langen Gewändern, die Akoluthen, mit rasierten Köpfen, schlicht gekleidet, auf und verbeugten sich vor ihr. Ein Teil des Publikums folgte dem Beispiel, und bald danach standen fast alle. Jene, die sitzenblieben, waren ohnehin nicht diejenigen, zu denen sie sprechen würde. Später, dachte sie. Später würden alle bereitwillig kommen.
»Seid in Frieden!«verkündete Mutter Sukra und erhob ihre Arme zum Himmel.
»Friede den Wesen des Universums, gleichgültig, in welcher Form«, antworteten die Akoluthen und einige Zuschauer.
»An diesem Abend wird uns die Ehre zuteil, durch die Anwesenheit Ihrer Heiligkeit, der Priesterin Yua von der Mutterkirche, ausgezeichnet zu werden«, teilte Sukra überflüssigerweise mit. Die Neugier nach Yua erklärte die hohe Zahl der Anwesenden. Das Publikum bestand ausschließlich aus Menschen, auch etwas, womit zu rechnen gewesen war. Obwohl der Kom-Bund jetzt nicht weniger als sieben Rassen umfaßte, sah man nur drei oder vier davon in großen Städten auf den von Menschen bewohnten Welten und keine in den Tempeln, die sie als rassisch fremdenfeindlich betrachteten. Die Tempel standen zwar allen Rassen offen, aber die Lehre war keine von der Art, die Nichtmenschen etwas geboten hätte.
