
"Wie nennt sich der Herr, welcher sonderbarer Weise Arzt und Schmied zu gleicher Zeit ist?" frug die Dame.
"Arzt? Nein, das ist er nicht, sondern Doktor der Jurisprudenz," antwortete die Gefragte mit sichtlichem Stolze.
"In seinem Alter? Welche Stellung bekleidet er?"
"Keine; er hat das nicht nothwendig und sagt, es hindere ihn am Weiterlernen. Er ist der Sohn vom Hofschmied Brandauer; ich habe mit dem König und dem Lord Halingbrook Pathe bei ihm gestanden."
"Ah, die gewöhnliche Bettelei durch Gevatterbrief, der man leider so oft ausgesetzt ist!"
dehnte der General geringschätzig.
Das Gesicht der Schmiedefrau röthete sich ein wenig.
"Darf ich fragen, wer der Herr Offizier ist?"
"Ich bin der Prinz von Raumburg und General. Diese Dame ist die Prinzeß Asta von Süderland, königliche Hoheit."
Er schien mit dieser Vorstellung einen dominirenden Eindruck beabsichtigt zu haben, hatte sich aber geirrt, denn die Frau erschrak nicht im mindesten, sondern wandte sich mit einer allerdings freudig überraschten Miene an die Prinzessin.
"Das ist schön, Hoheit, daß ich Sie einmal sehe! Der Herr Pathe hat uns immer sehr viel Gutes und Löbliches von Ihnen und Ihrem Herrn Vater, dem König, erzählt. Er hat ein gar scharfes Auge für die Politik und wäre wohl auch als Offizier an seinem Platze. Die Majestät verkehrt sehr viel in der Hofschmiede und hat immer verlangt, daß er Dienst nehmen soll; aber er hat niemals gewollt." "So kennt er mich?"
"Nein; er hat Sie noch nie gesehen; aber den Herrn General hier kennt er."
"So hat er auch von mir gesprochen?" frug dieser mit beinahe wegwerfender Belustigung.
"Sehr oft!"
