
Er nickte. »Wie wahr. Ich habe viel zu lange gebraucht, um zu kapieren, daß Bob Berryman, Ex-Footballheld von Crozet High, eine miese Niete ist. Schubst der mich doch glatt die Treppe runter, um Himmels willen. Wegen einer Rechnung! Wirft mir vor, ich hätte ihm für eine Auffahrt zuviel berechnet. Ich bin seit zwölf Jahren im Geschäft, und mir hat noch niemand vorgeworfen, daß ich zuviel berechne.«
»Es hätte schlimmer sein können.« Harry lächelte.
»Ach ja?« Kelly blickte fragend auf.
»Es hätte Josiah DeWitt sein können.«
»Da hast du recht.« Kelly krempelte sein Hosenbein herunter. Er warf das Papierhandtuch in den Abfall, sagte: »Durchhalten, Harry«, und verließ das Postamt.
Sie sah ihm nach, als er sich langsamer als sonst entfernte, dann machte sie sich wieder an die Arbeit.
Harry tränkte ihre Stempelkissen und säuberte die Buchstaben auf den Gummistempeln von kleinen Farbklümpchen. Gerade als sie ihre Stirn und sämtliche Finger mit dunkelroter Stempelfarbe beschmiert hatte, kam Big Marilyn Sanburne, »Mim«, hereinmarschiert. Marilyn gehörte zu jenen stählernen Frauen, die ehrenamtliche Männer waren. Sie wurde Big Marilyn oder Mim genannt, um sie von ihrer Tochter Little Marilyn zu unterscheiden. Mit vierundfünfzig Jahren hatte sie sich eine kühle Schönheit bewahrt, man drehte sich noch immer nach ihr um. Da sie mit einem immensen Vorrat an Mußestunden belastet war, hatte sie bei sämtlichen städtischen Angelegenheiten die Hand im Spiel. Ihre unbestreitbare Energie trieb andere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen regelmäßig an die Bar oder zum Wahnsinn.
»Mrs. Haristeen« - Mim betrachtete die Schmiererei - »haben Sie einen Mord begangen?«
»Nein - bloß in Gedanken.« Harry lächelte verschmitzt.
»Die staatliche Planungskommission steht zuoberst auf meiner Abschußliste. Die werden niemals eine westliche Umgehungsstraße durch diesen Bezirk bauen. Ich werde kämpfen bis zum letzten Atemzug! Am liebsten würde ich eine F-14 chartern und die Bande in Richmond zusammenbomben.«
