
»Klingt das so, Susan? Das will ich nicht hoffen. Ich könnte dir so viele Namen von verbitterten geschiedenen Frauen runterrasseln - wir würden den ganzen Nachmittag hier sitzen. Zu deren Club will ich wirklich nicht gehören.«
Susan tätschelte Harrys Hand. »Du bist zu empfindlich, wie ich vorhin schon sagte. Du wirst alle möglichen Emotionen durchlaufen. In Ermangelung eines besseren Ausdrucks hab ich das saure Trauben genannt. Tut mir leid, wenn ich deine Gefühle verletzt habe.«
Harry wand sich auf ihrem Sitz. »Mir ist, als ob meine Nervenenden bloßlägen.« Sie setzte sich auf ihrem Stuhl zurecht. »Du hast recht, was Maude angeht. Sie hat vieles, was für sie spricht. Irgendwo muß es einen für sie geben. Einen, der sie zu schätzen weiß - mitsamt ihrem geschäftlichen Erfolg.«
Susans Augen blitzten. »Vielleicht hat sie einen Liebhaber.«
»Ausgeschlossen. Hier kann keiner in seiner Küche einen Schluckauf kriegen, ohne daß alle es erfahren. Ausgeschlossen.« Harry schüttelte den Kopf.
»Wer weiß.« Susan schenkte sich Wasser nach. »Erinnerst du dich an Terrance Newton? Wir alle glaubten Terrance zu kennen.«
Harry dachte darüber nach. »Da waren wir Teenager. Ich meine, wenn wir erwachsen gewesen wären, hätten wir vielleicht was gemerkt. Ausstrahlung, Schwingungen und so weiter.«
»Ein Versicherungsangestellter, den wir alle kennen, geht nach Hause und erschießt seine Frau und sich. Ich erinnere mich, daß die Erwachsenen erschüttert waren. Keiner hatte was gemerkt. Wenn man die Fassade aufrechterhalten kann, reicht das. Nur ganz wenige blicken unter die Oberfläche.«
Harry seufzte. »Vielleicht sind alle zu beschäftigt.«
»Oder zu egozentrisch.« Susan trommelte mit den Fingern auf den Tisch. »Worauf ich hinauswill ist, daß wir uns vielleicht nicht so gut kennen, wie wir glauben. Das ist eine KleinstadtIllusion - glauben, daß wir uns kennen.«
Harry spielte still mit ihrem Sandwich. »Du kennst mich. Ich glaube, ich kenne dich.«
