
»Susan, du mochtest sie immer, seit wir Kinder waren, und ich konnte Little Marilyn nie ausstehen. Sie ist ein richtiges Mutterkind.«
»Du dagegen hast deine Mutter zur Weißglut getrieben.«
»Hab ich nicht.«
»O doch. Weißt du noch, wie du deine Spitzenhöschen über ihr Nummernschild gehängt hast, und sie ist den ganzen Tag herumgefahren, ohne zu wissen, warum alle gehupt und gelacht haben?«
»Ach das.« Harry erinnerte sich. Sie vermißte ihre Mutter schrecklich. Grace Minor war vor vier Jahren unerwartet an einem Herzanfall gestorben, und Cliff, ihr Mann, war ihr nach kaum einem Jahr gefolgt. Er hatte ohne Grace nicht zurechtkommen können, das gab er auf dem Totenbett zu. Sie waren keineswegs reiche Leute gewesen, aber sie hinterließen Harry ein hübsches Schindelhaus, ein paar Kilometer westlich der Stadt am Fuß des Little Yellow Mountain, und sie hinterließen ihr außerdem einen kleinen Wertpapierbestand, von dem sie die Grundsteuer und ein Taschengeld bestreiten konnte. Ein hypothekenfreies Haus ist ein wunderbares Erbe, und Harry und Fair waren glücklich aus ihrem gemieteten Haus an der Myrtle Street ausgezogen. Freilich, als Harry Fair zu gehen bat, beklagte er sich bitter, daß es ihm immer verhaßt gewesen sei, in ihrem Elternhaus zu wohnen.
»Fitz-Gilbert Hamilton ist häßlich wie die Sunde, aber er wird niemals von der Wohlfahrt leben müssen; er ist ein sehr angesehener Anwalt in Richmond - sagt Ned jedenfalls.«
»Um diese Heirat wird viel zuviel Getue gemacht. In Eile gefreit, in Muße bereut.«
»Saure Trauben.« Susans Augen schossen in die Höhe.
»Der glücklichste Tag meines Lebens war, als ich Pharamond Haristeen geheiratet habe, und der zweitglücklichste Tag meines Lebens war, als ich ihn rausgeworfen habe. Er ist ein Arschloch und hat von mir kein Mitgefühl zu erwarten. Herrgott, Susan, er rennt in der ganzen Stadt herum, ein Bild gekränkter Männlichkeit. Er ißt jeden Abend bei einem anderen Ehepaar. Wie ich gehört habe, hat Mim Sanburne ihm angeboten, daß ihre Haushälterin seine Wasche waschen konnte. Ich kann es nicht glauben.«
