Ibn Fadlan befand sich drei Jahre auf Reisen, und seinen eigentlichen Auftrag führte er nie aus, da er unterwegs einer Gruppe Normannen begegnete und zahlreiche Abenteuer mit ihnen erlebte. Als er schließlich nach Bagdad zurückkehrte, zeichnete er seine Erlebnisse in Form eines offiziellen Berichtes an den Hof auf. Dieses Originalmanuskript ist längst verschollen, und zu seiner Rekonstruktion sind wir auf in späteren Quellen erhaltene Auszüge und Fragmente angewiesen.

Deren bekannteste ist ein irgendwann im dreizehnten Jahrhundert von Yakut ibn-Abdallah verfaßtes arabisches geographisches Lexikon. Yakut übernimmt ein Dutzend wortwörtlicher Passagen aus Ibn Fadlans Bericht, welcher damals dreihundert Jahre alt war. Man muß annehmen, daß Yakut anhand einer Kopie des Originals arbeitete. Nichtsdestoweniger wurden diese wenigen Absätze von Gelehrten späterer Zeiten unzählige Male übersetzt und rückübersetzt.

Ein weiteres Fragment wurde 1817 in Rußland aufgefunden und 1823 von der Akademie St. Petersburg in deutscher Sprache veröffentlicht. Dieses Material beinhaltet gewisse zuvor bereits von J. L. Rasmussen im Jahre 1814 veröffentlichte Passagen. Rasmussen arbeitete anhand eines von ihm in Kopenhagen aufgefundenen und seither verschollenen Manuskriptes von zweifelhaftem Ursprung. Ferner gab es zu jener Zeit Übersetzungen in schwedischer, französischer und englischer Sprache, die indes allesamt notorisch ungenau sind und offensichtlich keinerlei neues Material enthalten.

Im Jahre 1878 wurden in der privaten Altertümersammlung von Sir John Emerson, dem britischen Botschafter in Konstantinopel, zwei neue Manuskripte entdeckt. Sir John zählte offenbar zu jenen passionierten Sammlern, deren Erwerbseifer das Interesse am nämlichen erworbenen Gegenstand übertraf. Die Manuskripte wurden nach seinem Tode aufgefunden; niemand weiß, wo oder wann er sie erstanden hat.



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