
Im einen Fall handelt es sich um eine Geographie in arabischer Sprache von Ahmad Tusi, zuverlässig auf das Jahr 1047 A.D. datiert. Dadurch steht das Tusi-Manuskript dem Original des Ibn Fadlan, das vermutlich etwa um 924-926 A.D. verfaßt wurde, chronologisch näher als jedes andere. Doch Gelehrte halten das Tusi-Manuskript für die am wenigsten zuverlässige aller Quellen; der Text steckt voller offenkundiger Fehler und innerer Widersprüchlichkeiten, und obwohl er ausführlich einen gewissen »Ibn Faqih« zitiert, der die Nordlande bereiste, zögern viele Experten, dieses Material zu akzeptieren. Beim zweiten Manuskript handelt es sich um die ungefähr aus den Jahren 1585-1595 stammende Schrift des Amin Razi. Sie ist in lateinischer Sprache geschrieben und gemäß ihrem Verfasser unmittelbar anhand des arabischen Textes von Ibn Fadlan übersetzt. Das Razi-Manuskript enthält einiges Material über die Oguz-Türken sowie mehrere Passagen über Kämpfe mit den Dunstwesen, die in anderen Quellen nicht auftauchen. Im Jahre 1934 schließlich wurde im Kloster zu Xymos, nahe Thessaloniki in Nordostgriechenland, ein Text in mittelalterlichem Latein aufgefunden. Das Xymos-Manuskript enthält weitere Ausführungen über die Beziehung des Ibn Fadlan zum Kalifen und seine Erlebnisse mit den Kreaturen der Nordlande. Sowohl der Autor wie auch das Alter des Xymos-Manuskriptes sind ungewiß. Die Aufgabe, diese zahlreichen, aus mehr als tausend Jahren stammenden und in Arabisch,
Latein, Deutsch, Französisch, Dänisch, Schwedisch und Englisch vorliegenden Versionen und Übersetzungen zu kollationieren, stellt ein Unternehmen von ungeheueren Ausmaßen dar. Nur eine Person von großer Gelehrsamkeit und Energie konnte dies in Angriff nehmen, und im Jahre 1951 geschah eben dieses. Per Fraus-Dolus, Professor emeritus für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Oslo in Norwegen, trug sämtliche bekannten Quellen zusammen und begann mit der gewaltigen Aufgabe des Übersetzens, die ihn bis zu seinem Tode im Jahr 1957 in Beschlag nahm.
