Teile seiner Neuübersetzung wurden in Protokolle des Nationalmuseums von Oslo: 1959-1960 veröffentlicht, doch erregten sie unter Gelehrten kein großes Interesse, vermutlich weil das Journal nur eine geringe Auflage hat. Die Fraus-Dolus-Übersetzung war absolut wortgetreu; in seiner Einleitung zu dem Material führte Fraus-Dolus an, daß »es in der Natur der Sprachen liegt, daß eine schöne Übersetzung nicht akkurat ist und eine akkurate Übersetzung mühelos zu der ihr eigenen Schönheit findet«. Bei der Aufbereitung dieser vollständigen und kommentierten Version der Fraus-Dolus-Übersetzung habe ich nur wenige Veränderungen vorgenommen. So habe ich einige Wiederholungen getilgt; diese sind im Text kenntlich gemacht. Ich habe die Gliederung der Absätze verändert, so daß, wie dies heute üblich ist, mit jedem wörtlich zitierten Sprecher ein neuer Absatz beginnt. Ich habe die diakritischen Zeichen der arabischen Namen weggelassen. Schließlich habe ich gelegentlich die ursprüngliche Syntax verändert, normalerweise durch Umstellung von Nebensätzen, so daß die Bedeutung leichter zu erfassen ist.

Die Wikinger

Ibn Fadlans Darstellung der Wikinger unterscheidet sich erheblich von der traditionellen europäischen Sichtweise dieses Volkes. Die ersten europäischen Schilderungen der Wikinger wurden vom Klerus aufgezeichnet; Geistliche waren seinerzeit die einzigen Beobachter, die schreiben konnten, und sie betrachteten die heidnischen Nordmänner mit besonderem Entsetzen.

Hier folgt eine typisch übertriebene Passage, von D. M. Wilson nach einem irischen Autor des zwölften Jahrhunderts zitiert:

In einem Wort: Obzwar da einhundert hart gestählte eiserne Häupter auf einem Halse waren und einhundert scharfe, schlagfertige, kühle, niemals rostende, dreiste Zungen in einem jeglichen Haupte und einhundert geschwätzige, laute, unermüdliche Stimmen aus jeder Zunge, konnten sie doch nicht wiedergeben noch schildern, nicht aufzählen noch mitteilen, was all die Iren gemeinschaftlich erlitten, Männer wie Frauen, Laien wie Klerus, Alt und Jung, Edle und Unedle, in jeglichem Hause an Elend und Beschädigung und Unterdrückung durch diese kühnen, zürnenden und von Grund auf heidnischen Menschen.



4 из 162