
Darin besteht das Abenteuer, dachte er. Die Herausforderung anzunehmen. Er begann, sich auszuziehen und seine Kleider in den Plastiksack zu stopfen, in dem er seine hastig zusammengesuchte Ausrüstung mit sich trug.
Schließlich war er nackt. Schlotternd knotete er den Beutel zu, wobei er ein kurzes Seil mit einflocht, dessen anderes Ende er sich um den rechten Oberarm schlang. Er zerrte kräftig an dieser Befestigung, aber sie hielt. Um keinen Preis durfte er diesen Sack verlieren.
Und nun ins Wasser. Er tat zitternd und bebend einen Schritt vor in den Schlamm des Flusses, so daß das Wasser seine Knöchel umspülte. Es war beißend kalt. Noch nie hatte er derartige Kälte am eigenen Leib gespürt. Hätte man ihm das befohlen, was er aus eigenem Entschluß zu tun im Begriff war, er hätte sich mit aller Kraft geweigert. Aber nun stieg ein nie gekanntes Gefühl von Freiheit in ihm auf, einer Freiheit, die auf nichts anderem beruhte als auf seinen eigenen Kräften und Fähigkeiten, eine Freiheit, die ihm niemand geben mußte, sondern die immer sein eigen gewesen war und die er nun endlich entdeckt hatte.
Schritt um Schritt watete er weiter in den Fluß hinein, mit zusammengebissenen Zähnen und am ganzen Leib fröstelnd. Der Strom zerrte gewaltig an ihm, als ihm das Wasser bis zu den Oberschenkeln reichte, und als es tiefer und tiefer wurde, mußte er schließlich ganz eintauchen, was ihm nicht ohne einen Schrei gelang, und loslassen, sich forttragen lassen von der Strömung.
Er schwamm mit kräftigen, gleichmäßigen Zügen. Die Kälte raubte ihm fast den Atem, umschloß ihn mit erbarmungslosem Griff. Aber er spürte eine animalische Wildheit in sich erwachen, eine rohe Entschlossenheit, das andere Ufer zu erreichen, und wenn es das Letzte sein sollte, was er im Leben tun würde. Diese Kraft setzte sich der Kälte entgegen und ließ ihn weiter kraftvoll ausholen.
Und dann langte er auf der anderen Seite an, auf einer flachen Sandbank.
