"HORI kenne ich."

"Wahrscheinlich HORI 2.0, oder?"

"Keine Ahnung."

"Wahrscheinlich, das ist das verbreitetste. Das hat zum Beispiel keinen automatischen Fehlerabfang; wenn du nicht aufpaßt, kriegst du die gräßlichsten Mutationen."

"Tatsächlich?"

"Du mußt schon sehr gut Bescheid wissen, nicht nur mit Gentechnik, sondern auch mit den Programmen, weil die Parameter im Handbuch nur ganz unklar beschrieben sind. Und wenn du mit HORI 2.0 eine wirklich gute Doll machen willst, mußt du die Parameter voll ausschöpfen – und noch Glück haben."

"Aber es gibt doch eine Standardeinstellung, oder?"

Jarmusch verzog angewidert das Gesicht. "Einheitskost. Weißt du, die Zeiten, als du jede Doll mühelos losgeworden bist, selbst wenn sie auf Bäume kletterte statt ins Bett, die sind vorbei. Solche Zombies kannst du höchstens noch an arme Studenten verhökern, und dazu sind die Brutkammern echt zu teuer! Die Leute, die für eine Doll heute das große Geld hinblättern, die wollen Qualität, die haben Ansprüche."

"Was kriegt man denn für eine gute Doll?"

Jarmusch wiegte den Kopf. "Sagen wir mal, eine Doll pro Jahr, und dein Studium ist finanziert; eine pro Semester, dann springt auch noch ein dicker Urlaub mit raus. Das ist der Standard." Er grinste. "Die meisten Geningenieure, die ich so kenne, verhökern mindestens jeden Monat eine. Was glaubst du, warum an der Uni fast alle Genbiologen in schicken Klamotten aus flotten Autos steigen und mit teuren Lederköfferchen am Arm in die Vorlesungen rennen?"

"Aber im Grunde ist es doch illegal, oder?"

"Also, legal ist es sicher nicht. Ob’s illegal ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Fällt anscheinend unter das Tierschutzgesetz. Und natürlich finden es viele Leute total unmoralisch. Aber jeder macht es, und jeder weiß, daß es jeder macht. Die niederen Semester können es doch kaum erwarten, daß sie ins Gentechnische Praktikum dürfen. Die haben doch alle schon ihre HORI-Disketten daheim ’rumliegen. Erst mal ist ja auch immer ein Eigenbedarf zu decken, nicht wahr?"



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