"Fällt denn eigentlich niemandem auf, was da in den Brutkammern heranwächst?"

"Der Trick besteht ja gerade darin, daß zunächst etwas ganz Legales heranwächst; etwas, das aussieht wie ein Versuchstier. Du mußt es natürlich managen, das Tier rechtzeitig in ein Versteck zu schaffen – bevor die Pelzhaare ausfallen, ein zweiter Wachstumsschub einsetzt und das Ganze sich so eindeutig verwandelt, daß selbst ein halbblinder Nachtwächter Stielaugen kriegen würde. Dieser Wachstumsschub findet erst außerhalb der Brutkammer statt. Und heutzutage läßt sich fast auf den Tag genau vorhersagen, wann er beginnt."

Er widmete sich wieder dem Computer. Mit den Befehlsfolgen, die er eingab, gewann die Frauensilhouette in der Mitte des Bildschirms an Farbe und Konturen.

"Körpergröße… wie groß soll sie werden? Sagen wir, einsfünfundsechzig. Die Haare – schwarz oder blond?"

"Grün?"

"Grün geht nicht. Will auch keiner. Sagen wir schwarz. Das Becken ein bißchen breiter… nein, zu breit… so. Den Busen größer; ich mag große Busen – so. Schau, du kannst auch einzelne Körperregionen vergrößert darstellen und detailliert festlegen – das Gesicht, die Hände und so weiter. Das Gesicht ist wichtig. Große Augen soll sie kriegen und lange Wimpern. Der Mund stimmt auch schon fast… na, wie sieht sie aus? Wie aus dem PLAYBOY, oder?"

Ich dachte zurück an meine erste Begegnung mit einer Doll. Gerüchteweise hatte damals jeder schon davon gehört, und es hieß auch, daß viele Studenten heimliche solche künstlichen Tiere besaßen, gerade in den Studentenwohnheimen. Die Wohnheime liegen ziemlich außerhalb der Stadt, und man sieht dort fast keine Frauen.

Es war am Tag meines Einzugs. Ich suchte den Haussprecher, weil ich von ihm eine Unterschrift auf ein Formular brauchte. In der Gemeinschaftsküche war er nicht, also klopfte ich an die Tür seines Zimmers. Daraufhin raschelte etwas dahinter, und ein Geräusch war zu hören, das ich für eine Stimme hielt. Aber nichts geschah. Ich drückte die Klinke und öffnete die Tür einen Spalt weit.



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