Zu meinem grenzenlosen Erstaunen sah ich eine nackte Frau mit langen Haaren auf einer Decke am Boden sitzen und Obst und Brot aus einer Schüssel essen. Als sie mich sah, gab sie einen eigenartigen Laut von sich und streckte eine Hand, in der sie eine angenagte Brotrinde hielt, in meine Richtung. Ich muß sie völlig entgeistert angestarrt haben, denn schließlich packte sie Decke und Schüssel und verkroch sich damit unter den Schreibtisch.

Jemand erklärte mir danach, daß das, was ich gesehen hatte, eine ’Doll’ war, ein gentechnologisch erzeugtes Tier, das das Aussehen einer gutgebauten Frau, aber die Intelligenz und das Seelenleben eines Schimpansen besaß.

Die Doll, die ich gesehen hatte, gehörte der Hausgemeinschaft, die sie wiederum einem Gentechnik-Studenten abgekauft hatte, der nur einige Monate im Haus gewohnt hatte. Es wurde sehr gründlich ein Vormerkkalender geführt, in den man sich eintragen konnte, und jeder, der die Doll beanspruchte, mußte einen kleinen Obolus in die Hauskasse entrichten, der zur einen Hälfte zur Abzahlung der Anschaffungskosten, zur anderen Hälfte der Ernährung der Doll diente. Der Haussprecher hatte zu überwachen, daß die Doll regelmäßig gewaschen und gefüttert wurde.

Ich bekam die Doll an diesem Abend gespendet, sozusagen als Willkommensgruß. Sie war ein sehr zutrauliches Wesen, das willig alles mit sich geschehen ließ, und das sich nachher zusammengerollt an mich kuschelte und einschlief, während ich noch wach lag und traurig war, ohne daß ich hätte sagen können, warum.

"Fertig", sagte Jarmusch.

Wir betrachteten das Bild, das nun eine schwarzhaarige Frau von exotischer Schönheit zeigte.



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