Das Eis an beiden Polen schmilzt in einem Tempo, das noch 1999 während der Arbeit an diesem Buch vollkommen unvorhersehbar war. Weltweit ergießen sich von schmelzenden Gletschern wahre Fluten von Süßwasser in Ozeane, die einen bestimmten Salzgehalt benötigen, um die für die Existenz von Meeresströmungen unabdingbaren stabilen Wassertemperaturen zu erreichen.

Vom Himalaja bis zur Antarktis befinden sich praktisch alle Gletscher der Erde auf dem Rückzug. Besonders ernst ist die Situation in Grönland. Aus der dortigen Eisschicht fließen jährlich 50 Milliarden Tonnen Schmelzwasser ins Nordpolarmeer. Die Ränder der Eisschicht werden Jahr für Jahr um zwei Meter dünner. Dadurch werden die Gletscher selbst instabil, und es besteht die Gefahr, dass sie plötzlich ins Meer gleiten.

»Es gibt allenthalben Anzeichen für eine solche Entwicklung, die verursacht, dass sich die Gletscher schneller auf die Ränder zubewegen«, schrieb William B. Krabill in einer Untersuchung über Gletscher, die im Juli 2000 im Fachjournal Science erschienen ist. Das Abschmelzen der Grönland-Gletscher würde zu einem Ansteigen der Meeresspiegel um sieben Meter führen. Doch schon lange vorher käme es zu schwerwiegenden Auswirkungen auf das Klima.

Genauso bedrohlich ist die Situation am Südpol. Seit mehr als zehn Jahren bricht das antarktische Packeis auseinander. Im März 2000 lösten sich zwei riesige Eisberge aus dem Ross-Schelfeis. Der größere der beiden war mit einer Länge von knapp 300 Kilometern und einer Breite von 37 Kilometern kaum kleiner als der US-Staat Connecticut. Dies ist jedoch kein Einzelfall. Schon 1987 begann in der Antarktis eine Serie von großen Eisbrüchen, als sich ein Massiv in der Größe von Rhode Island aus dem Ross-Schelfeis löste. Am 9. Februar 1988 berichtete die New York Times über »die außerordentlich große Zahl von Gletscherbrüchen in den letzten zwei Jahren«. Dies führte schließlich zur vollständigen Zerstörung des Larsen-Schelfeises und zur wachsenden Instabilität des Ross-Schelfeises. Im September 2000 warnte Professor John Lowe von der London University sogar, dass die Erwärmung der Erdatmosphäre in Großbritannien schon in wenigen Jahrzehnten zu einer kleinen Eiszeit führen könnte.



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