
»In Gallup. Das war eben ein Polizist, der aus der Notaufnahme angerufen hat.«
»Was glauben sie, woran er starb?«
»Sie wissen es nicht. Sie tippen auf Herzstillstand. Aber da gab's ein Problem mit seinen Fingern. Ein Durchblutungsproblem. Man wird eine Autopsie durchführen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.« Doniger tat es mit einer unwirschen Handbewegung ab. »Na und? Die Autopsie wird nichts ergeben. Traub hatte Transkriptionsfehler. Da kommen die nie drauf. Warum vergeudest du meine Zeit mit diesem Blödsinn?«
»Einer unserer Angestellten ist eben gestorben, Bob«, sagte Gordon. »Stimmt«, erwiderte Doniger kalt. »Und weißt du was? Dagegen kann ich verdammt noch mal nichts machen. Es tut mir leid. Oje, oje. Schick ein paar Blumen. Erledige es einfach, okay?«
In Augenblicken wie diesem atmete Gordon immer tief durch und erinnerte sich daran, daß Doniger nicht anders war als die meisten ehrgeizigen jungen Unternehmer. Er erinnerte sich daran, daß Doniger hinter seinem Sarkasmus fast immer recht hatte. Und er erin-nerte sich daran, daß Doniger sich sein ganzes Leben lang so verhalten hatte.
Bei Robert Doniger hatten sich schon früh erste Anzeichen von Genialität gezeigt. Bereits in der Grundschule verschlang er technische Fachbücher. Und als er neun war, konnte er jedes elektronische Gerät -ob Radio oder Fernseher - reparieren; er spielte einfach so lange mit den Röhren und Drähten herum, bis es wieder funktionierte. Als seine Mutter sich sorgte, er könne sich mit einem Stromschlag töten, erwiderte er nur: »Mach dich doch nicht lächerlich.« Und als seine geliebte Großmutter starb, informierte ein tränenloser Doniger seine Mutter, daß die alte Dame ihm noch siebenundzwanzig Dollar schulde und er nun von ihr die Rückzahlung erwarte.
Nachdem er mit achtzehn in Stanford summa cum laude in Physik promoviert hatte, ging er zu FermiLab in der Nähe von Chicago. Nach sechs Monaten kündigte er wieder und sagte dem Direktor des Labors, daß »Elementarteilchenphysik nur etwas für Wichser« sei.
